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Sali erging es nicht so hart auf den ersten Anschein; denn er war nun ein hübscher und
kräftiger junger Bursche, der sich zu wehren wußte und dessen äußere Haltung
wenigstens eine schlechte Behandlung von selbst unzulässig machte. Er sah wohl die üble
Wirtschaft seiner Eltern und glaubte sich erinnern zu können, daß es einst nicht so
gewesen; ja er bewahrte noch das frühere Bild seines Vaters wohl in seinem
Gedächtnisse als eines festen, klugen und ruhigen Bauers, desselben Mannes, den er
jetzt als einen grauen Narren, Händelführer und Müßiggänger vor sich sah, der mit Toben
und Prahlen auf hundert törichten und verfänglichen Wegen wandelte und mit jeder
Stunde rückwärts ruderte wie ein Krebs. Wenn ihm nun dies mißfi el und ihn oft mit Scham
und Kummer erfüllte, während es seiner Unerfahrenheit nicht klar war, wie die Dinge so
gekommen, so wurden seine Sorgen wieder betäubt durch die Schmeichelei, mit der ihn
die Mutter behandelte. Denn um in ihrem Unwesen ungestörter zu sein u nd einen guten
Parteigänger zu haben, auch um ihrer Großtuerei zu genügen, ließ sie ihm zukommen,
was er wünschte, kleidete ihn sauber und prahlerisch und unterstützte ihn in allem, was er
zu seinem Vergnügen vornahm. Er ließ sich dies gefallen ohne viel Dankbarkeit, da ihm
die Mutter viel zu viel dazu schwatzte und log; und indem er so wenig Freude daran
empfand, tat er lässig und gedankenlos, was ihm gefiel, ohne daß dies jedoch etwas
Übles war, weil er für jetzt noch unbeschädigt war von dem Beis piele der Alten und das
jugendliche Bedürfnis fühlte, im ganzen einfach, ruhig und leidlich tüchtig zu sein. Er war
ziemlich genau so, wie sein Vater in diesem Alter gewesen war, und diese s flößte
demselben eine unwillkürliche Achtung vor dem Sohne ein, in welchem er mit verwirrtem
Gewissen und gepeinigter Erinnerung seine eigene Jugend achtete. Trotz dieser Freiheit,
welche Sali genoß, ward er seines Lebens doch nicht froh und fühlt e wohl, wie er nichts
Rechtes vor sich hatte und ebensowenig etwas Rechtes lernte, da von eine m
zusammenhängenden und vernunftgemäßen Arbeiten in Manzens Hause längst nicht
mehr die Rede war. Sein bester Trost war daher, stolz auf seine Unabhängigkeit und
einstweilige Unbescholtenheit zu sein, und in diesem Stolze ließ er die Tage trotzig
verstreichen und wandte die Augen von der Zukunft ab.
Der einzige Zwang, dem er unterworfen, war die Feindschaft seines Vaters gegen alles,
was Marti hieß und an diesen erinnerte. Doch wußte er nichts ander es als daß Marti
seinem Vater Schaden zugefügt und daß man in dessen Hause ebenso f eindlich gesinnt
sei, und es fiel ihm daher nicht schwer, weder den Marti noch seine Tochter anzusehen
und seinerseits auch einen angehenden, doch ziemlich zahmen Feind vorzustellen.
Vrenchen hingegen, welches mehr erdulden mußte als Sali und in seinem Hause viel
verlassener war, fühlte sich weniger zu einer förmlichen Feindschaft aufgelegt und glaubte
sich nur verachtet von dem wohlgekleideten und scheinbar glücklichere n Sali; deshalb
verbarg sie sich vor ihm, und wenn er irgendwo nur in der Nähe war, so entfernte sie sich
eilig, ohne daß er sich die Mühe gab ihr nachzublicken. So kam es, daß er das Mädchen
schon seit ein paar Jahren nicht mehr in der Nähe gesehen und gar nicht wußte, wie es
aussah, seit es herangewachsen. Und doch wunderte es ihn zuweilen ganz g ewaltig, und
wenn überhaupt von den Martis gesprochen wurde, so dachte er unwillkürlich nur an die
Tochter, deren jetziges Aussehen ihm nicht deutlich und deren Andenken i hm gar nicht
verhaßt war.
Doch war sein Vater Manz nun der erste von den beiden Feinden, der sich nicht mehr
halten konnte und von Haus und Hof springen mußte. Dieser Vortritt rührte daher, daß er
eine Frau besaß, die ihm geholfen, und einen Sohn, der doch auch einiges mit brauchte,
während Marti der einzige Verzehrer war in seinem wackeligen König reich, und seine
Tochter durfte wohl arbeiten wie ein Haustierchen, aber nichts gebrauchen. Manz aber
wußte nichts anderes anzufangen als auf den Rat seiner Seldwyler Gönner in die Stadt zu
ziehen und da sich als Wirt aufzutun. Es ist immer betrüblich anzuseh en, wenn ein
ehemaliger Landmann, der auf dem Felde alt geworden ist, mit den Trümmern seiner
Habe in eine Stadt zieht und da eine Schenke oder Kneipe auftut, um als letzten
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