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nach, wobei sie dann durch ein tolles böses Überhasten und Antreib en das Versäumte
einzuholen suchten und damit jeden ordentlichen und zuverlässigen Arbeiter
verscheuchten. So ging es gewaltig rückwärts mit ihnen, und ehe zehn Jahre vorüber,
steckten sie beide von Grund aus in Schulden und standen wie die Störche auf einem
Beine auf der Schwelle ihrer Besitztümer, von der jeder Lufthauch sie herunterwehte. Aber
wie es ihnen auch erging, der Haß zwischen ihnen wurde täglich größer, da jeder den
andern als den Urheber seines Unsterns betrachtete, als seinen Erbfeind und ganz
unvernünftigen Widersacher, den der Teufel absic
zu verderben. Sie spieen aus, wenn sie sich nur von weitem sahen; kein Glied ihres
Hauses durfte mit Frau, Kind oder Gesinde des andern ein Wort sprechen, bei
Vermeidung der gröbsten Mißhandlung. Ihre Weiber verhielten sich verschieden bei dieser
Verarmung und Verschlechterung des ganzen Wesens. Die Frau des Marti, we lche von
guter Art war, hielt den Verfall nicht aus, härmte sich ab und starb, ehe ihre Tochter
vierzehn Jahre alt war. Die Frau des Manz hingegen bequemte sich der veränderten
Lebensweise an, und um sich als eine schlechte Genossin zu entfalten, hatte sie nichts zu
tun als einigen weiblichen Fehlern, die ihr von jeher angehaftet, den Zü gel schießen zu
lassen und dieselben zu Lastern auszubilden. Ihre Naschhaftigkeit wurde zu wilder
Begehrlichkeit, ihre Zungenfertigkeit zu einem grundfalschen und verlogenen Schmeichel-
und Verleumdungswesen, mit welchem sie jeden Augenblick das Gegenteil von dem
sagte, was sie dachte, alles hintereinander hetzte und ihrem eigenen Manne ein X für ein
U vormachte; ihre ursprüngliche Offenheit, mit der sie sich der unschuldigeren Plauderei
erfreut, ward nun zur abgehärteten Schamlosigkeit, mit der sie jenes falsche Wesen
betrieb, und so, statt unter ihrem Manne zu leiden, drehte sie ihm eine Nase; wenn er es
arg trieb, so machte sie es bunt, ließ sich nichts abgehen und gedieh zu der dicksten Blüte
einer Vorsteherin des zerfallenden Hauses.
So war es nun schlimm bestellt um die armen Kinder, welche weder eine gu te Hoffnung
für ihre Zukunft fassen konnten noch sich auch nur einer lieblich frohen Jugend erfreuten,
da überall nichts als Zank und Sorge war. Vrenchen hatte anscheinend einen schlimmern
Stand als Sali, da seine Mutter tot und es einsam in einem wüsten Hau se der Tyrannei
eines verwilderten Vaters anheimgegeben war. Als es sechzehn Jahre zä hlte, war es
schon ein schlankgewachsenes, ziervolles Mädchen; seine dunkelbraunen Haare ringelten
sich unablässig fast bis über die blitzenden braunen Augen, dunkel rotes Blut
durchschimmerte die Wangen des bräunlichen Gesichtes und glänzte als tiefer Purpur auf
den frischen Lippen, wie man es selten sah und was dem dunklen Kinde ein
eigentümliches Ansehen und Kennzeichen gab. Feurige Lebenslust und Fröhlichkeit
zitterte in jeder Fiber dieses Wesens; es lachte und war aufgelegt zu Scherz und Spiel,
wenn das Wetter nur im mindesten lieblich war, das heißt wenn es nich t zu sehr gequält
wurde und nicht zu viel Sorgen ausstand. Diese plagten es aber häufig genug; denn nicht
nur hatte es den Kummer und das wachsende Elend des Hauses mit zu tragen , sondern
es mußte noch sich selber in acht nehmen und mochte sich gern halbweg s ordentlich und
reinlich kleiden, ohne daß der Vater ihm die geringsten Mittel dazu g eben wollte. So hatte
Vrenchen die größte Not, ihre anmutige Person einigermaßen auszustaffieren, sich ein
allerbescheidenstes Sonntagskleid zu erobern und einige bunte, fast wertlose
Halstüchelchen zusammenzuhalten. Darum war das schöne wohlgemute j unge Blut in
jeder Weise gedemütigt und gehemmt und konnte am wenigsten der Hoffart anheimfallen.
Überdies hatte es bei schon erwachendem Verstande das Leiden und den Tod seiner
Mutter gesehen, und dies Andenken war ein weiterer Zügel, der seinem lustigen und
feurigen Wesen angelegt war, so daß es nun höchst lieblich, unbedenklich und rührend
sich ansah, wenn trotz alledem das gute Kind bei jedem Sonnenblick sich ermunterte und
zum Lächeln bereit war.
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