Title:

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Es kam eine Ernte um die andere, und jede sah die Kinder größer und schöner und den herrenlosen Acker schmäler zwischen seinen breitgewordenen Nachbaren.  Mit jedem Pflügen verlor er hüben und drüben eine Furche, ohne daß ein  Wort darüber gesprochen worden wäre und ohne daß ein Menschenauge den Frevel zu sehen schi en. Die Steine wurden immer mehr zusammengedrängt und bildeten schon einen ordentlichen Grat auf der ganzen Länge des Ackers, und das wilde Gesträuch darauf war sc hon so hoch, daß die Kinder, obgleich sie gewachsen waren, sich nicht mehr sehen konnten, wenn eines dies- und das andere jenseits ging. Denn sie gingen nun nicht mehr gemeinschaftlich auf das Feld, da der zehnjährige Salomon oder Sali, wie er genannt wurde, sich schon wacker auf Seite der größeren Burschen und der Männer hielt; und das braune Vrenchen, obgleich es ein feuriges Dirnchen war, mußte bereits unter der Obhut seines Geschlechts gehen, sonst wäre es von den andern als ein Bubenmädchen ausgelach t worden. Dennoch nahmen sie während jeder Ernte, wenn alles auf den Äckern  war, einmal Gelegenheit, den wilden Steinkamm, der sie trennte, zu besteigen und sic h gegenseitig von demselben herunterzustoßen. Wenn sie auch sonst keinen Verkehr mehr miteinander hatten, so schien diese jährliche Zeremonie um so sorglicher gewahrt zu werden als sonst nirgends die Felder ihrer Väter zusammenstießen. Indessen sollte der Acker doch endlich verkauft und der Erlös einstweilen amtlich aufgehoben werden. Die Versteigerung fand an Ort und Stelle statt, wo sich aber nur einige Gaffer einfanden außer den Bauern Manz und Marti, da niemand L ust hatte, das seltsame Stückchen zu erstehen und zwischen den beiden Nachbaren zu b ebauen. Denn obgleich diese zu den besten Bauern des Dorfes gehörten und nichts weiter getan hatten als was zwei Drittel der übrigen unter diesen Umständen auch getan haben würden, so sah man sie doch jetzt stillschweigend darum an und niemand wollte zwischen ihnen eingeklemmt sein mit dem geschmälerten Waisenfelde. Die meisten Mensc hen sind fähig oder bereit, ein in den Lüften umgehendes Unrecht zu verüben, wenn  sie mit der Nase darauf stoßen; sowie es aber von einem begangen ist, sind die übrigen froh, daß sie es doch nicht gewesen sind, daß die Versuchung nicht sie betroffen hat,  und sie machen nun den Auserwählten zu dem Schlechtigkeitsmesser ihrer Eigenschaften und  behandeln ihn mit zarter Scheu als einen Ableiter des Übels, der von den Göttern  gezeichnet ist, während ihnen zugleich noch der Mund wässe genossen. Manz und Marti waren also die einzigen, welche ernstlich auf den Acker boten; nach einem ziemlich hartnäckigen Überbieten erstand ihn Manz und er wurde ihm zugeschlagen. Die Beamten und die Gaffer verloren sich vom Felde; die beiden Bauern, welche sich auf ihren Äckern noch zu schaffen gemacht, trafen beim We ggehen wieder zusammen und Marti sagte: "Du wirst nun dein Land, das alte und das neue, wohl zusammenschlagen und in zwei gleiche Stücke teilen? Ich hätte es wenigstens so gemacht, wenn ich das Ding bekommen hätte." - "Ich werde es all erdings auch tun", antwortete Manz, "denn als ein Acker würde mir das Stück zu gro ß sein. Doch was ich sagen wollte: Ich habe bemerkt, daß du neulich noch am unteren Ende d ieses Ackers, der jetzt mir gehört, schräg hineingefahren bist und ein gutes Dreieck  abgeschnitten hast. Du hast es vielleicht getan in der Meinung, du werdest das ganze Stück a n dich bringen und es sei dann sowieso dein. Da es nun aber mir gehört, so wirst du wohl  einsehen, daß ich eine solche ungehörige Einkrümmung nicht brauchen noch dulden kann, und wirst nichts dagegen haben, wenn ich den Strich wieder grad mache! Streit wird das nicht abgeben sollen!" Marti erwiderte ebenso kaltblütig als ihn Manz angeredet hatte: "Ich sehe auch nicht, wo Streit herkommen soll! Ich denke, du hast den Acker gekauft, wie er da i st, wir haben ihn alle gemeinschaftlich besehen und er hat sich seit einer Stunde nicht um ein Haar verändert!"
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Novelle
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/K
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/K/Keller

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum