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Leidenschaft nicht beschaffen, sich eine lange Zeit der Prüfung und E ntsagung
vorzunehmen und zu überstehen, und dann wäre erst noch Vrenchens V ater dagewesen,
welchen er zeitlebens elend gemacht. Das Gefühl, in der bürgerlichen Welt nur in einer
ganz ehrlichen und gewissensfreien Ehe glücklich sein zu können, w ar in ihm ebenso
lebendig wie in Vrenchen, und in beiden verlassenen Wesen war es die let zte Flamme der
Ehre, die in früheren Zeiten in ihren Häusern geglüht hatte und welche die sich sicher
fühlenden Väter durch einen unscheinbaren Mißgriff ausgeblasen und zerstört hatten, als
sie, eben diese Ehre zu häufen wähnend durch Vermehrung ihres Eigentums, so
gedankenlos sich das Gut eines Verschollenen aneigneten, ganz gefahrlos, wie sie
meinten. Das geschieht nun freilich alle Tage; aber zuweilen stellt das Schicksal ein
Exempel auf und läßt zwei solche Äufner ihrer Hausehre und ihre s Gutes
zusammentreffen, die sich dann unfehlbar aufreiben und auffressen wie zwei wilde Tiere.
Denn die Mehrer des Reiches verrechnen sich nicht nur auf den Thronen, s ondern
zuweilen auch in den niedersten Hütten und langen ganz am entgegengesetzten Ende an
als wohin sie zu kommen trachteten, und der Schild der Ehre ist im Umseh en eine Tafel
der Schande. Sali und Vrenchen hatten aber noch die Ehre ihres Hauses ge sehen in
zarten Kinderjahren und erinnerten sich, wie wohlgepflegte Kinderchen sie gewesen und
daß ihre Väter ausgesehen wie andere Männer, geachtet und siche r. Dann waren sie auf
lange getrennt worden, und als sie sich wiederfanden, sahen sie in sich zugleich das
verschwundene Glück des Hauses, und beider Neigung klammerte sich nur um so heftiger
ineinander. Sie mochten so gern fröhlich und glücklich sein, aber nur auf einem guten
Grund und Boden, und dieser schien ihnen unerreichbar, während ihr wollendes Blut am
liebsten gleich zusammengeströmt wäre. "Nun ist es Nacht", r ief Vrenchen, "und wir
sollen uns trennen!" - "Ich soll nach Hause gehen und dich allein lassen?" rief Sali, "nein,
das kann ich nicht!" - "Dann wird es Tag werden und nicht besser u m uns stehen!"
"Ich will euch einen guten Rat geben, ihr närrischen Dinger!" tönte eine schrille Stimme
hinter ihnen, und der Geiger trat vor sie hin. "Da steht ihr", sagte er, "wißt nicht wo hinaus
und hättet euch gern. Ich rate euch, nehmt euch, wie ihr seid, und sä umet nicht. Kommt
mit mir und meinen guten Freunden in die Berge, da brauchet ihr keinen P farrer, kein
Geld, keine Schriften, keine Ehre, kein Bett, nichts als euern guten Willen! Es ist gar nicht
so übel bei uns, gesunde Luft und genug zu essen, wenn man tätig i st; die grünen Wälder
sind unser Haus, wo wir uns liebhaben, wie es uns gefällt, und im Win ter machen wir uns
die wärmsten Schlupfwinkel oder kriechen den Bauern ins warme Heu. Al so kurz
entschlossen, haltet gleich hier Hochzeit und kommt mit uns, dann seid ihr aller Sorgen los
und habt euch für immer und ewiglich, solange es euch gefällt wenigstens; denn alt werdet
ihr bei unserm freien Leben, das könnt ihr glauben! Denkt nicht etwa, daß ich euch
nachtragen will, was eure Alten an mir getan! Nein! es macht mir zwar Vergnügen, euch
da angekommen zu sehen, wo ihr seid; allein damit bin ich zufrieden und werde euch
behilflich und dienstfertig sein, wenn ihr mir folgt." Er sagte das w irklich in einem
aufrichtigen und gemütlichen Tone. "Nun, besinnt euch ein bißchen, aber folget mir, wenn
ich euch gut zum Rat bin! Laßt fahren die Welt und nehmet euch und fraget niemandem
was nach! Denkt an das lustige Hochzeitbett im tiefen Wald oder auf eine m Heustock,
wenn es euch zu kalt ist!" Damit ging er ins Haus. Vrenchen zitterte in Salis Armen und
dieser sagte: "Was meinst du dazu? Mich dünkt, es wäre nicht ü bel, die ganze Welt in den
Wind zu schlagen und uns dafür zu lieben ohne Hindernis und Schranken!" Er sagte es
aber mehr als einen verzweifelten Scherz denn im Ernst. Vrenchen aber erwiderte ganz
treuherzig und küßte ihn: "Nein, dahin möchte ich nicht gehe n, denn da geht es auch nicht
nach meinem Sinne zu. Der junge Mensch mit dem Waldhorn und das Mädch en in dem
seidenen Rock gehören auch so zueinander und sollen sehr verliebt gew esen sein. Nun
sei letzte Woche die Person ihm zum erstenmal untreu geworden, was ihm n icht in den
Kopf wolle, und deshalb sei er so traurig und schmolle mit ihr und mit d en andern, die ihn
auslachen. Sie aber tut eine mutwillige Buße, indem sie allein tanzt und mit niemandem
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