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zusammen bei dem Gedanken, nun zum erstenmal an einem unbekannten Ort zu
schlafen; doch folgte es willenlos seinem Führer, der jetzt alles war, was es in der Welt
hatte. Das Paradiesgärtlein war ein schöngelegenes Wirtshaus an ei ner einsamen
Berghalde, das weit über das Land weg sah, in welchem aber an solchen
Vergnügungstagen nur das ärmere Volk, die Kinder der ganz kleinen Bauern und
Tagelöhner und sogar mancherlei fahrendes Gesinde verkehrte. Vor hundert Jahren war
es als ein kleines Landhaus von einem reichen Sonderling gebaut worden, nach welchem
niemand mehr da wohnen mochte, und da der Platz sonst zu nichts zu gebra uchen war,
so geriet der wunderliche Landsitz in Verfall und zuletzt in die Händ e eines Wirtes, der da
sein Wesen trieb. Der Name und die demselben entsprechende Bauart waren aber dem
Hause geblieben. Es bestand nur aus einem Erdgeschoß, über welchem ein offener
Estrich gebaut war, dessen Dach an den vier Ecken von Bildern aus Sandstein getragen
wurde, so die vier Erzengel vorstellten und gänzlich verwittert waren. Auf dem Gesimse
des Daches saßen ringsherum kleine musizierende Engel mit dicken Kö pfen und
Bäuchen, den Triangel, die Geige, die Flöte, Zimbel und Tamburin spielend, ebenfalls aus
Sandstein, und die Instrumente waren ursprünglich vergoldet gewesen. Die Decke
inwendig sowie die Brustwehr des Estrichs und das übrige Gemäuer des Hauses waren
mit verwaschenen Freskomalereien bedeckt, welche lustige Engelscharen so wie singende
und tanzende Heilige darstellten. Aber alles war verwischt und undeutlich wie ein Traum
und überdies reichlich mit Weinreben übersponnen, und blaue reifen de Trauben hingen
überall in dem Laube. Um das Haus herum standen verwilderte Kastanienbäume, und
knorrige starke Rosenbüsche, auf eigene Hand fortlebend, wuchsen da und dort so wild
herum wie anderswo die Holunderbäume. Der Estrich diente zum Tanzsaal; als Sali mit
Vrenchen daherkam, sahen sie schon von weitem die Paare unter dem offenen Dache
sich drehen, und rund um das Haus zechten und lärmten eine Menge lustiger Gäste.
Vrenchen, welches andächtig und wehmütig sein Liebeshaus trug, glich einer heiligen
Kirchenpatronin auf alten Bildern, welche das Modell eines Domes oder Klosters auf der
Hand hält, so sie gestiftet; aber aus der frommen Stiftung, die ihm im Sinne lag, konnte
nichts werden. Als es aber die wilde Musik hörte, welche vom Estrich ertönte, vergaß es
sein Leid und verlangte endlich nichts als mit Sali zu tanzen. Sie drä ngten sich durch die
Gäste, die vor dem Hause saßen und in der Stube, verlumpte Leute aus Seldwyla, die
eine billige Landpartie machten, armes Volk von allen Enden, und stiegen die Treppe
hinauf, und sogleich drehten sie sich im Walzer herum, keinen Blick voneinander
abwendend. Erst als der Walzer zu Ende, sahen sie sich um; Vrenchen hatte sein Haus
zerdrückt und zerbrochen und wollte eben betrübt darüber werden, als es noch mehr
erschrak über den schwarzen Geiger, in dessen Nähe sie standen. Er saß auf einer Bank,
die auf einem Tische stand, und sah so schwarz aus wie gewöhnlich; nur hatte er heute
einen grünen Tannenbusch auf sein Hütchen gesteckt, zu seinen Fü ßen hatte er eine
Flasche Rotwein und ein Glas stehen, welche er nie umstieß, obgleich er fortwährend mit
den Beinen strampelte, wenn er geigte, und so eine Art von Eiertanz damit vollbrachte.
Neben ihm saß noch ein schöner, aber trauriger junger Mensch mit einem Waldhorn, und
ein Buckliger stand an einer Baßgeige. Sali erschrak auch, als er den Geiger erblickte;
dieser grüßte sie aber auf das freundlichste und rief: "Ich hab e doch gewußt, daß ich euch
noch einmal aufspielen werde! So macht euch nur recht lustig, ihr Schätzchen, und tut mir
Bescheid!" Er bot Sali das volle Glas und Sali trank und tat ihm Besc heid. Als der Geiger
sah, wie erschrocken Vrenchen war, suchte er ihm freundlich zuzureden un d machte
einige fast anmutige Scherze, die es zum Lachen brachten. Es ermunterte sich wieder,
und nun waren sie froh, hier einen Bekannten zu haben und gewissermaßen unter dem
besondern Schutze des Geigers zu stehen. Sie tanzten nun ohne Unterlaß, sich und die
Welt vergessend in dem Drehen, Singen und Lärmen, welches in und außer dem Hause
rumorte und vom Berge weit in die Gegend hinausschallte, welche sich allmählich in den
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