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Halb spielte es aus Schalkheit diese Rolle und aus Lust, zu versuchen, w ie es tue, halb
war es ihm in der Tat so zumut und vor Bangigkeit und heißer Liebe wo llte ihm das Herz
brechen, so daß es ihm zu eng ward innerhalb der vier Wände und es zu gehen begehrte.
Es war, als ob sie sich scheuten, auf dem Wege wieder so abseits und all ein zu sein; denn
sie gingen unverabredet auf der Hauptstraße weiter, mitten durch die Leute, und sahen
weder rechts noch links. Als sie aber aus dem Dorfe waren und auf das nächstgelegene
zugingen, wo Kirchweih war, hing sich Vrenchen an Salis Arm und flüsterte mit zitternden
Worten: "Sali! warum sollen wir uns nicht haben und glücklich sein ?" - "Ich weiß auch
nicht warum!" erwiderte er und heftete seine Augen an den milden Herb stsonnenschein,
der auf den Auen webte, und er mußte sich bezwingen und das Gesicht g anz sonderbar
verziehen. Sie standen still, um sich zu küssen; aber es zeigten sich Leute und sie
unterließen es und zogen weiter. Das große Kirchdorf, in dem Kirchweih war, belebte sich
schon von der Lust des Volkes; aus dem stattlichen Gasthofe tönte eine pomphafte
Tanzmusik, da die jungen Dörfler bereits um Mittag den Tanz angehoben , und auf dem
Platz vor dem Wirtshause war ein kleiner Markt aufgeschlagen, bestehend aus einigen
Tischen mit Süßigkeiten und Backwerk und ein paar Buden mit Flitte rstaat, um welche
sich die Kinder und dasjenige Volk drängten, welches sich einstweilen mehr mit Zusehen
begnügte. Sali und Vrenchen traten auch zu den Herrlichkeiten und ließen ihre Augen
darüber fliegen; denn beide hatten zugleich die Hand in der Tasche un d jedes wünschte
dem andern etwas zu schenken, da sie zum ersten und einzigen Male mitein ander zu
Markt waren; Sali kaufte ein großes Haus von Lebkuchen, das mit Zucke rguß freundlich
geweißt war, mit einem grünen Dach, auf welchem weiße Tauben sa ßen und aus dessen
Schornstein ein Amörchen guckte als Kaminfeger; an den offenen Fenstern umarmten
sich pausbäckige Leutchen mit winzig kleinen roten Mündchen, die s ich recht eigentlich
küßten, da der flüchtige praktische Maler mit einem Kleckschen gleich zwei Mündchen
gemacht, die so ineinander verflossen. Schwarze Pünktchen stellten muntere Äuglein vor.
Auf der rosenroten Haustür aber waren diese Verse zu lesen:
Tritt in mein Haus, o Liebste!
Doch sei Dir unverhehlt:
Drin wird allein nach Küssen
Gerechnet und gezählt.
Die Liebste sprach: "O Liebster,
Mich schrecket nichts zurück!
Hab alles wohl erwogen:
In Dir nur lebt mein Glück!
Und wenn ichs recht bedenke,
Kam ich deswegen auch!"
Nun denn, spazier mit Segen
Herein und üb den Brauch!
Ein Herr in einem blauen Frack und eine Dame mit einem sehr hohen Busen
komplimentierten sich diesen Versen gemäß in das Haus hinein, link s und rechts an die
Mauer gemalt. Vrenchen schenkte Sali dagegen ein Herz, auf dessen einer Seite ein
Zettelchen klebte mit den Worten:
Ein süßer Mandelkern steckt in dem Herze hier,
Doch süßer als der Mandelkern ist meine Lieb zu dir!
Und auf der anderen Seite:
Wenn Du dies Herz gegessen, vergiß dies Sprüchlein nicht:
Viel ehr als meine Liebe mein braunes Auge bricht!
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