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Stücklein von einem Taufschein würde meinem Gewissen besser tun al s zehn sündhafte
Menschengesichter!" "Eia, sicherlich!" sagte Marti, "er sagt zwar, er sei nicht schuld, daß
man ihn nicht getauft habe! Aber sollen wir unsern Taufstein tragbar machen und in den
Wäldern herumtragen? Nein, er steht fest in der Kirche, und dafür ist die Totenbahre
tragbar, die draußen an der Mauer hängt. Wir sind schon übervölkert im Dorf und
brauchen bald zwei Schulmeister!"
Hiemit war die Mahlzeit und das Zwiegespräch der Bauern geendet, und sie erhoben sich,
den Rest ihrer heutigen Vormittagsarbeit zu vollbringen. Die beiden Kind er hingegen,
welche schon den Plan entworfen hatten, mit den Vätern nach Hause zu ziehen, zogen ihr
Fuhrwerk unter den Schutz der jungen Linden und begaben sich dann auf einen Streifzug
in dem wilden Acker, da derselbe mit seinen Unkräutern, Stauden und Steinhaufen eine
ungewohnte und merkwürdige Wildnis darstellte. Nachdem sie in der Mitte dieser grünen
Wildnis einige Zeit hingewandert, Hand in Hand, und sich daran belustigt, die
verschlungenen Hände über die hohen Distelstauden zu schwingen, li eßen sie sich
endlich im Schatten einer solchen nieder und das Mädchen begann seine Puppe mit den
langen Blättern des Wegekrautes zu bekleiden, so daß sie einen sch önen grünen und
ausgezackten Rock bekam; eine einsame rote Mohnblume, die da noch blühte, wurde ihr
als Haube über den Kopf gezogen und mit einem Grase festgebunden, und nun sah die
kleine Person aus wie eine Zauberfrau, besonders nachdem sie noch ein Ha lsband und
einen Gürtel von kleinen roten Beerchen erhalten. Dann wurde sie hoch in die Stengel der
Distel gesetzt und eine Weile mit vereinten Blicken angeschaut, bis der Knabe sie
genugsam besehen und mit einem Steine herunterwarf. Dadurch geriet aber ihr Putz in
Unordnung und das Mädchen entkleidete sie schleunigst, um sie aufs ne ue zu
schmücken; doch als die Puppe eben wieder nackt und bloß war und n ur noch der roten
Haube sich erfreuete, entriß der wilde Junge seiner Gefährtin das Spielzeug und warf es
hoch in die Luft. Das Mädchen sprang klagend darnach, allein der Knab e fing die Puppe
zuerst wieder auf, warf sie aufs neue empor, und indem das Mädchen sie vergeblich zu
haschen sich bemühte, neckte er es auf diese Weise eine gute Zeit. Un ter seinen Händen
aber nahm die fliegende Puppe Schaden, und zwar am Knie ihres einzigen B eines, allwo
ein kleines Loch einige Kleiekörner durchsickern ließ. Kaum bemerkte der Peiniger dies
Loch, so verhielt er sich mäuschenstill und war mit offenem Munde eifrig beflissen, das
Loch mit seinen Nägeln zu vergrößern und dem Ursprung der Kleie nachzuspüren. Seine
Stille erschien dem armen Mädchen höchst verdächtig und es drängte sich herzu und
mußte mit Schrecken sein böses Beginnen gewahren. "Sieh mal!" rief er und schlenkerte
ihr das Bein vor der Nase herum, daß ihr die Kleie ins Gesicht flog, und wie sie darnach
langen wollte und schrie und flehte, sprang er wieder fort und ruhte nicht eher, bis das
ganze Bein dürr und leer herabhing als eine traurige Hülse. Dann w arf er das mißhandelte
Spielzeug hin und stellte sich höchst frech und gleichgültig, als die Kleine sich weinend auf
die Puppe warf und dieselbe in ihre Schürze hüllte. Sie nahm sie aber wieder hervor und
betrachtete wehselig die Ärmste, und als sie das Bein sah, fing sie abermals an laut zu
weinen, denn dasselbe hing an dem Rumpfe nicht anders denn das Schwän zchen an
einem Molche. Als sie gar so unbändig weinte, ward es dem Missetäter endlich etwas übel
zumut und er stand in Angst und Reue vor der Klagenden, und als sie dies merkte, hörte
sie plötzlich auf und schlug ihn einigemal mit der Puppe, und er tat, als ob es ihm weh
täte, und schrie au! so natürlich, daß sie zufrieden war und nu n mit ihm gemeinschaftlich
die Zerstörung und Zerlegung fortsetzte. Sie bohrten Loch auf Loch in den Marterleib und
ließen aller Enden die Kleie entströmen, welche sie sorgfältig auf einem flachen Steine zu
einem Häufchen sammelten, umrührten und aufmerksam betrachteten. Das einzige Feste,
was noch an der Puppe bestand, war der Kopf und mußte jetzt vorzüg lich die
Aufmerksamkeit der Kinder erregen; sie trennten ihn sorgfältig los von dem
ausgequetschten Leichnam und guckten erstaunt in sein hohles Innere. Als sie die
bedenkliche Höhlung sahen und auch die Kleie sahen, war es der näc hste und natürlichste
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