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verlorenen Tage der zarteren Zeit nachholen als das leidenschaftliche En de
vorausnehmen mit der Hingabe ihres Lebens.
So liefen sie sich wieder hungrig und waren erfreut, von der Höhe eines schattenreichen
Berges ein glänzendes Dorf vor sich zu sehen, wo sie Mittag halten wollten. Sie stiegen
rasch hinunter, betraten dann aber ebenso sittsam diesen Ort, wie sie de n vorigen
verlassen. Es war niemand um den Weg, der sie erkannt hätte; denn besonders Vrenchen
war die letzten Jahre hindurch gar nicht unter die Leute und noch weniger in andere Dörfer
gekommen. Deshalb stellten sie ein wohlgefälliges ehrsames Pärchen vor, das
irgendeinen angelegentlichen Gang tut. Sie gingen ins erste Wirtshaus des Dorfes, wo Sali
ein erkleckliches Mahl bestellte; ein eigener Tisch wurde ihnen sonntäglich gedeckt und
sie saßen wieder still und bescheiden daran und beguckten die schön getäfelten Wände
von gebohntem Nußbaumholz, das ländliche, aber glänzende und wohlbestellte Büffet von
gleichem Holze und die klaren weißen Fenstervorhänge. Die Wirtin trat zutulich herzu und
setzte ein Geschirr voll frischer Blumen auf den Tisch. "Bis die Suppe kommt", sagte sie,
"könnt ihr, wenn es euch gefällig ist, einstweilen die Augen sä ttigen an dem Strauße.
Allem Anschein nach, wenn es erlaubt ist zu fragen, seid ihr ein junges Brautpaar, das
gewiß nach der Stadt geht, um sich morgen kopulieren zu lassen?" Vrenchen wurde rot
und wagte nicht aufzusehen, Sali sagte auch nichts und die Wirtin fuhr fort: "Nun, ihr seid
freilich beide noch wohl jung, aber jung geheiratet lebt lang, sagt man zuweilen, und ihr
seht wenigstens hübsch und brav aus und braucht euch nicht zu verbergen. Ordentliche
Leute können etwas zuwege bringen, wenn sie so jung zusammenkommen und fleißig und
treu sind. Aber das muß man freilich sein, denn die Zeit ist kurz und doch lang und es
kommen viele Tage, viele Tage! Je nun, schön genug sind sie und amü sant dazu, wenn
man gut Haus hält damit! Nichts für ungut, aber es freut mich, euc h anzusehen, so ein
schmuckes Pärchen seid ihr!" Die Kellnerin brachte die Suppe, und da sie einen Teil
dieser Worte noch gehört und lieber selbst geheiratet hätte, so sa h sie Vrenchen mit
scheelen Augen an, welches nach ihrer Meinung so gedeihliche Wege ging. In der
Nebenstube ließ die unliebliche Person ihren Unmut frei und sagte zur Wirtin, welche dort
zu schaffen hatte, so laut, daß man es hören konnte: "Das ist w ieder ein rechtes
Hudelvölkchen, das, wie es geht und steht, nach der Stadt läuft un d sich kopulieren läßt,
ohne einen Pfennig, ohne Freunde, ohne Aussteuer und ohne Aussicht als a uf Armut und
Bettelei! Wo soll das noch hinaus, wenn solche Dinger heiraten, die die Jüppe noch nicht
allein anziehen und keine Suppe kochen können? Ach der hübsche jun ge Mensch kann
mich nur dauern, der ist schön petschiert mit seiner jungen Gungeline!" - "Bscht! willst du
wohl schweigen, du hässiges Ding!" sagte die Wirtin, "denen las se ich nichts geschehen!
Das sind gewiß zwei recht ordentliche Leutlein aus den Bergen, wo die Fabriken sind;
dürftig sind sie gekleidet, aber sauber, und wenn sie sich nur gern h aben und arbeitsam
sind, so werden sie weiter kommen als du mit deinem bösen Maul! Du kannst freilich noch
lang warten, bis dich einer abholt, wenn du nicht freundlicher bist, du Essighafen!"
So genoß Vrenchen alle Wonnen einer Braut, die zur Hochzeit reiset: d ie wohlwollende
Ansprache und Aufmunterung einer sehr vernün
bösen Person, welche aus Ärger den Geliebten lobte und bedauerte, und ein leckeres
Mittagsmahl an der Seite eben dieses Geliebten! Es glühte im Gesicht wie eine rote Nelke,
das Herz klopfte ihm, aber es aß und trank nichtsdestominder mit gutem Appetit und war
mit der aufwartenden Kellnerin nur um so artiger, konnte aber nicht unterlassen, dabei den
Sali zärtlich anzusehen und mit ihm zu lispeln, so daß es diesem a uch ganz kraus im
Gemüt wurde. Sie saßen indessen lang und gemächlich am Tische, wie wenn sie zögerten
und sich scheuten, aus der holden Täuschung herauszugehen. Die Wirtin brachte zum
Nachtisch süßes Backwerk und Sali bestellte feinern und stärker n Wein dazu, welcher
Vrenchen feurig durch die Adern rollte, als es ein wenig davon trank; aber es nahm sich in
acht, nippte bloß zuweilen und saß so züchtig und verschämt da wie eine wirkliche Braut.
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