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Wälder, oder mochte es lieber in der gastlichen Stube bleiben, um wenigstens auf
Stunden sich an einem stattlichen Orte zu Hause zu träumen. Doch Sali erleichterte die
Wahl, indem er ehrbar und geschäftig zum Aufbruch mahnte, als ob sie einen bestimmten
und wichtigen Weg zu machen hätten. Die Wirtin und der Wirt begleitet en sie bis vor das
Haus und entließen sie auf das wohlwollendste wegen ihres guten Benehmens, trotz der
durchscheinenden Dürftigkeit, und das arme junge Blut verabschiedete sich mit den
besten Manieren von der Welt und wandelte sittig und ehrbar von hinnen. Aber auch als
sie schon wieder im Freien waren und einen stundenlangen Eichwald betraten, gingen sie
noch in dieser Weise nebeneinander her, in angenehme Träume vertieft, als ob sie nicht
aus zank- und elenderfüllten Häusern herkämen, sondern guter Leute Kind wären, welche
in lieblicher Hoffnung wandelten. Vrenchen senkte das Köpfchen tiefsinnig gegen seine
blumengeschmückte Brust und ging, die Hände sorglich an das Gewand gelegt, einher auf
dem glatten feuchten Waldboden; Sali dagegen schritt schlankaufgerichtet, rasch und
nachdenklich, die Augen auf die festen Eichenstämme geheftet, wie ein Bauer, der
überlegt, welche Bäume er am vorteilhaftesten fällen soll. Endlich erwachten sie aus
diesen vergeblichen Träumen, sahen sich an und entdeckten, daß sie immer noch in der
Haltung gingen, in welcher sie das Gasthaus verlassen, erröteten und ließen traurig die
Köpfe hängen. Aber Jugend hat keine Tugend; der Wald war grün, der Himmel blau und
sie allein in der weiten Welt, und sie überließen sich alsbald wieder diesem Gefühle. Doch
bleiben sie nicht lange mehr allein, da die schöne Waldstraße sich belebte mit
lustwandelnden Gruppen von jungen Leuten sowie mit einzelnen Paaren, wel che
schäkernd und singend die Zeit nach der Kirche verbrachten. Denn die Landleute haben
so gut ihre ausgesuchten Promenaden und Lustwälder wie die Städter, nur mit dem
Unterschied, daß dieselben keine Unterhaltung kosten und noch schöner sind; sie
spazieren nicht nur mit einem besondern Sinn des Sonntags durch ihre blü henden und
reifenden Felder, sondern sie machen sehr gewählte Gänge durch Geh ölze und an grünen
Halden entlang, setzen sich hier auf eine anmutige fernsichtige Höhe, dort an einen
Waldrand, lassen ihre Lieder ertönen und die schöne Wildnis ganz behaglich auf sich
einwirken; und da sie dies offenbar nicht zu ihrer Pönitenz tun, sondern zu ihrem
Vergnügen, so ist wohl anzunehmen, daß sie Sinn für die Natur h aben, auch abgesehen
von ihrer Nützlichkeit. Immer brechen sie was Grünes ab, junge Bur sche wie alte
Mütterchen, welche die alten Wege ihrer Jugend aufsuchen, und selbst steife Landmänner
in den besten Geschäftsjahren, wenn sie über Land gehen, schneiden sich gern eine
schlanke Gerte, sobald sie durch einen Wald gehen, und schälen die Bl ätter ab, von
denen sie nur oben ein grünes Büschel stehen lassen. Solche Rute t ragen sie wie ein
Zepter vor sich hin; wenn sie in eine Amtsstube oder Kanzlei treten, so stellen sie die
Gerte ehrerbietig in einen Winkel, vergessen aber auch nach den ernstesten
Verhandlungen nie, dieselbe säuberlich wieder mitzunehmen und unversehrt nach Hause
zu tragen, wo es erst dem kleinsten Söhnchen gestattet ist, sie zugrunde zu richten. - Als
Sali und Vrenchen die vielen Spaziergänger sahen, lachten sie ins Fäustchen und freuten
sich, auch gepaart zu sein, schlüpften aber seitwärts auf engere Waldpfade, wo sie sich in
tiefen Einsamkeiten verloren. Sie hielten sich auf, wo es sie freute, eilten vorwärts und
ruhten wieder, und wie keine Wolke am reinen Himmel stand, trübte auch keine Sorge in
diesen Stunden ihr Gemüt; sie vergaßen, woher sie kamen und wohin sie gingen, und
benahmen sich so fein und ordentlich dabei, daß trotz aller frohen Er regung und
Bewegung Vrenchens niedlicher einfacher Aufputz so frisch und unversehrt blieb, wie er
am Morgen gewesen war. Sali betrug sich auf diesem Wege nicht wie ein be inahe
zwanzigjähriger Landbursche oder der Sohn eines verkommenen Schenkwirtes, sondern
wie wenn er einige Jahre jünger und sehr wohl erzogen wäre, und es war beinahe
komisch, wie er nur immer sein feines lustiges Vrenchen ansah, voll Zärtlichkeit, Sorgfalt
und Achtung. Denn die armen Leutchen mußten an diesem einen Tage, der ihnen
vergönnt war, alle Manieren und Stimmungen der Liebe durchleben und sowohl die
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