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stemmte und, ein zweiter Simson, die zwei vorderen zierlich geschnitzten Säulen faßte,
welche diesen Himmel trugen. Als Vrenchen, an Sali gelehnt, dem Zuge nac hschaute und
den wandelnden Tempel zwischen den Gärten sah, sagte es: "Das gä be noch ein artiges
Gartenhäuschen oder eine Laube, wenn mans in einen Garten pflanzt e, ein Tischen und
ein Bänklein drein stellte und Winden drum herumsäete! Wolltest du mit darin sitzen,
Sali?" - "Ja, Vreeli! besonders wenn die Winden aufgewachsen wären!" "Was stehen wir
noch?" sagte Vrenchen, "nichts hält uns mehr zurück!" " So komm und schließ das Haus
zu! Wem willst du denn den Schlüssel übergeben?" Vrenchen sah s ich um. "Hier an die
Helbart wollen wir ihn hängen; sie ist über hundert Jahr in diesem Hause gewesen, habe
ich den Vater oft sagen hören, nun steht sie da als der letzte Wäc hter!" Sie hingen den
rostigen Hausschlüssel an einen rostigen Schnörkel der alten Waffe , an welcher die
Bohnen rankten, und gingen davon. Vrenchen wurde aber bleicher und verhüllte ein
Weilchen die Augen, daß Sali es führen mußte, bis sie ein Dutze nd Schritte entfernt
waren. Es sah aber nicht zurück. "Wo gehen wir nun zuerst hin?" fragte es. "Wir wollen
ordentlich über Land gehen", erwiderte Sali, "wo es uns freut den ganzen Tag, uns nicht
übereilen, und gegen Abend werden wir dann schon einen Tanzplatz finden!" - "Gut!"
sagte Vrenchen, "den ganzen Tag werden wir bei
haben. Jetzt ist mir aber elend, wir wollen gleich im andern Dorf einen Kaffee trinken!" -
"Versteht sich!" sagte Sali, "mach nur, daß wir aus diesem Dorf wegkommen!"
Bald waren sie auch im freien Felde und gingen still nebeneinander durch die Fluren; es
war ein schöner Sonntagmorgen im September, keine Wolke stand am Himmel, die Höhen
und die Wälder waren mit einem zarten Duftgewebe bekleidet, welches d ie Gegend
geheimnisvoller und feierlicher machte, und von allen Seiten tönten d ie Kirchenglocken
herüber, hier das harmonische tiefe Geläute einer reichen Ortschaft, dort die
geschwätzigen zwei Bimmelglöcklein eines kleinen armen Dörfchen s. Das liebende Paar
vergaß, was am Ende dieses Tages werden sollte, und es gab sich einzi g der hoch
aufatmenden wortlosen Freude hin, sauber gekleidet und frei, wie zwei Glückliche, wie
sich von Rechts wegen angehörte, in den Sonntag hineinzuwandeln. Jede r in der
Sonntagsstille verhallende Ton oder ferne Ruf klang ihnen erschütternd durch die Seele;
denn die Liebe ist eine Glocke, welche das Entlegenste und Gleichgült igste widertönen
läßt und in eine besondere Musik verwandelt. Obgleich sie hungrig waren, dünkte sie die
halbe Stunde Weges bis zum nächsten Dorf nur ein Katzensprung lang zu sein, und sie
betraten zögernd das Wirtshaus am Eingang des Ortes. Sali bestellte ein gutes Frühstück,
und während es bereitet wurde, sahen sie mäuschenstill der sicheren und freundlichen
Wirtschaft in der großen reinlichen Gaststube zu. Der Wirt war zugleich ein Bäcker, das
eben Gebackene durchduftete angenehm das ganze Haus, und Brot aller Art wurde in
gehäuften Körben herbeigetragen, da nach der Kirche die Leute hier ihr Weißbrot holten
oder ihren Frühschoppen tranken. Die Wirtin, eine artige und saubere Frau, putzte
gelassen und freundlich ihre Kinder heraus, und sowie eines entlassen wa r, kam es
zutraulich zu Vrenchen gelaufen, zeigte ihm seine Herrlichkeiten und erzählte von allem,
dessen es sich erfreute und rühmte. Wie nun der wohlduftende starke Kaffee kam, setzten
sich die zwei Leutchen schüchtern an den Tisch, als ob sie da zu Gast gebeten wären. Sie
ermunterten sich jedoch bald und flüsterten bescheiden, aber glückselig miteinander; ach,
wie schmeckte dem aufblühenden Vrenchen der gute Kaffee, der fette Rahm, die frischen,
noch warmen Brötchen, die schöne Butter und der Honig, der Eierkuchen und was alles
noch für Leckerbissen da waren! Sie schmeckten ihm, weil es den Sali dazu ansah, und
es aß so vergnügt, als ob es ein Jahr lang gefastet hätte. Dazu freute es sich über das
feine Geschirr, über die silbernen Kaffeelöffelchen; denn die Wirtin schien sie für rechtliche
junge Leutchen zu halten, die man anständig bedienen müsse, und se tzte sich auch ab
und zu plaudernd zu ihnen, und die beiden gaben ihr verständigen Besc heid, welches ihr
gefiel. Es ward dem guten Vrenchen so wählig zumut, daß es nicht w ußte, mochte es
lieber wieder ins Freie, um allein mit seinem Schatz herumzuschweifen, durch Auen und
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