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dies war ihm das vergnügteste Geschäft, das er je betrieben. Er gi ng von einem
Schuhmacher zum andern, ließ sich alle Weiberschuhe zeigen, die vorhanden waren, und
endlich handelte er ein leichtes und feines Paar ein, so hübsch, wie sie Vrenchen noch nie
getragen. Er verbarg die Schuhe unter seiner Weste und tat sie die übrige Zeit des Tages
nicht mehr von sich; er nahm sie sogar mit ins Bett und legte sie unter das Kopfkissen. Da
er das Mädchen heute früh noch gesehen und morgen wieder sehen sollte, so schlief er
fest und ruhig, war aber in aller Frühe munter und begann seinen dürftigen Sonntagsstaat
zurechtzumachen und auszuputzen, so gut es gelingen wollte. Es fiel sein er Mutter auf
und sie fragte verwundert, was er vorhabe, da er sich schon lange nicht mehr so sorglich
angezogen. Er wolle einmal über Land gehen und sich ein wenig umtun, erwiderte er, er
werde sonst krank in diesem Hause. "Das ist mir die Zeit her ein merkwürdiges Leben",
murrte der Vater, "und ein Herumschleichen!" - "Laß ihn nur gehen", sagte aber die
Mutter, "es tut ihm vielleicht gut, es ist ja ein Elend, wie er aussieht!" - "Hast du Geld zum
Spazierengehen? woher hast du es?" sagte der Alte. "Ich brauche keines!" sagte Sali.
"Da hast du einen Gulden!" versetzte der Alte und warf ihm denselb en hin, "du kannst im
Dorf ins Wirtshaus gehen und ihn dort verzehren, damit sie nicht glauben, wir seien hier so
übel dran." - "Ich will nicht ins Dorf und brauche den Gulden n icht, behaltet ihn nur!" -
"So hast du ihn gehabt, es wäre schad, wenn du ihn haben müß test, du Starrkopf!" rief
Manz und schob seinen Gulden wieder in die Tasche. Seine Frau aber, welc he nicht
wußte, warum sie heute ihres Sohnes wegen so wehmütig und gerührt war, brachte ihm
ein großes schwarzes Mailänder Halstuch mit rotem Rande, das sie nur selten getragen
und er schon früher gern gehabt hätte. Er schlang es um den Hals u nd ließ die langen
Zipfel fliegen; auch stellte er zum erstenmal den Hemdkragen, den er sonst immer
umgeschlagen, ehrbar und männlich in die Höhe, bis über die Ohren hinauf, in einer
Anwandlung ländlichen Stolzes, und machte sich dann, seine Schuhe in der Brusttasche
des Rockes, schon nach sieben Uhr auf den Weg. Als er die Stube verließ, drängte ihn ein
seltsames Gefühl, Vater und Mutter die Hand zu geben, und auf der Straße sah er sich
noch einmal nach dem Hause um. "Ich glaube am Ende", sagte Manz, "der Bursche
streicht irgendeinem Weibsbild nach; das hätten wir gerade noch nötig!" Die Frau sagte:
"O wollte Gott! daß er vielleicht ein Glück machte! das täte dem armen Buben gut!" -
"Richtig!" sagte der Mann, "das fehlt nicht! das wird ein himmlisches Glück geben, wenn
er nur erst an eine solche Maultasche zu geraten das Unglück hat! das täte dem armen
Bübchen gut! natürlich!"
Sali richtete seinen Schritt erst nach dem Flusse zu, wo er Vrenchen erwarten wollte; aber
unterweges ward er andern Sinnes und ging gradezu ins Dorf, um Vrenchen im Hause
selbst abzuholen, weil es ihm zu lang währte bis halb elf. Was kümmern uns die Leute!
dachte er. Niemand hilft uns und ich bin ehrlich und fürchte niemand! So trat er unerwartet
in Vrenchens Stube und ebenso unerwartet fand er es schon vollkommen angekleidet und
geschmückt dasitzen und der Zeit harren, wo es gehen könne, nur die Schuhe fehlten ihm
noch. Aber Sali stand mit offenem Munde still in der Mitte der Stube, als er das Mädchen
erblickte, so schön sah es aus. Es hatte nur ein einfaches Kleid an von blaugefärbter
Leinwand, aber dasselbe war frisch und sauber und saß ihm sehr gut um den schlanken
Leib. Darüber trug es ein schneeweißes Musselinhalstuch und dies war der ganze Anzug.
Das braune gekräuselte Haar war sehr wohl geordnet und die sonst so w ilden Löckchen
lagen nun fein und lieblich um den Kopf, da Vrenchen seit vielen Wochen fast nicht aus
dem Hause gekommen, so war seine Farbe zarter und durchsichtiger geworden, so wie
auch vom Kummer; aber in diese Durchsichtigkeit goß jetzt die Liebe u nd die Freude ein
Rot um das andere, und an der Brust trug es einen schönen Blumenstrauß von Rosmarin,
Rosen und prächtigen Astern. Es saß am offenen Fenster und atmete still und hold die
frisch durchsonnte Morgenluft; wie es aber Sali erscheinen sah, streckte es ihm beide
hübsche Arme entgegen, welche vom Ellbogen an bloß waren, und rief . "Wie recht hast
du, daß du schon jetzt und hierher kommst! Aber hast du mir Schuhe ge bracht? Gewiß?
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