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Romeo und Julia auf dem Dorfe

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tauige stille Frieden, der über der Gegend lag, das junge Morgenrot machten sie fröhlich und selbstvergessen, und besonders in Vrenchen schien ein freundlicher Geist der Sorglosigkeit gefahren zu sein. "Morgen abend muß ich also aus die sem Hause fort", sagte es, "und ein anderes Obdach suchen. Vorher aber möchte ich einmal, nur einmal recht lustig sein, und zwar mit dir; ich möchte recht herzlich und fleißig mit dir tanzen irgendwo, denn das Tanzen aus dem Traume steckt mir immerfort im Sinn!" - "Jedenfalls will ich dabei sein und sehen, wo du unterkommst", sagte Sali, "und tanzen wollte ich auch gerne mit dir, du herziges Kind! aber wo?" - "Es ist morgen Kirchweih an zwei Orten nicht sehr weit von hier", erwiderte Vrenchen, "da kennt und beachtet man uns weniger; draußen am Wasser will ich auf dich warten, und dann können wir gehen, wohin es uns gefällt, um uns lustig zu machen, einmal, einmal nur! Aber je, wir haben ja gar kein Geld!" setzte es traurig hinzu, "da kann nichts draus werden!" - "Laß  nur", sagte Sali, "ich will schon etwas mitbringen!" - "Doch nicht von deinem Vater, von - von  dem Gestohlenen?" - "Nein, sei nur ruhig! Ich habe noch meine silberne Uhr bewahrt bis dahin, die will ich verkaufen!" "Ich will dir nicht abraten", sagte Vrenchen errötend, "denn ich glaube, ich müßte sterben, wenn ich nicht morgen mit dir tanzen könnte." - "Es wäre das beste, wir beide könnten sterben!" sagte Sali; sie umarmten sich wehmütig und schmerzlich zum Abschied, und als sie voneinander ließen, lachten sie sich doch freun dlich an in der sicheren Hoffnung auf den nächsten Tag. "Aber wann willst du denn kommen?" rief Vrenchen noch. "Spätestens elf Uhr mittags", erwiderte er, "wir wollen recht ordentlich zusammen Mittag essen!" "Gut, gut! komm lieber um halb elf schon!" Doch als Sali schon im Gehen war, rief sie ihn noch einmal zurück und zeigte ein plötzlich verändertes verzweiflungsvolles Gesicht. "Es wird doch nich "ich habe keine Sonntagsschuhe mehr! Schon gestern habe ich diese gro ben hier anziehen müssen, um nach der Stadt zu kommen! Ich weiß keine Schuhe aufzubringen!" Sali stand ratlos und verblüfft. "Keine Schuhe!" sagte er, " da mußt du halt in diesen kommen!" - "Nein, nein, in denen kann ich nicht tanzen!" - "Nun, so müssen wir welche kaufen?" - "Wo, mit was?" - "Ei, in Seldwyl da gibt es Schuh läden genug! Geld werde ich in minder als zwei Stunden haben." - "Aber ich kann doch nicht mit  dir in Seldwyl herumgehen, und dann wird das Geld nicht langen, auch noch Schuhe zu kaufen!" - "Es muß! und ich will die Schuhe kaufen und morgen mitbringen!" - " O du Närrchen, sie werden ja nicht passen, die du kaufst!" - "So gib mir einen alten Schuh mit, oder halt, noch besser, ich will dir das Maß nehmen, das wird doch kein Hexenwer k sein!" - "Das Maßnehmen? Wahrhaftig, daran hab ich nicht gedacht! Komm, komm, ich w ill dir ein Schnürchen suchen!" Sie setzte sich wieder auf den Herd, zog den R ock etwas zurück und streifte den Schuh vom Fuße, der noch von der gestrigen Reise her  mit einem weißen Strumpfe bekleidet war. Sali kniete nieder und nahm, so gut er es verstand, das Maß, indem er den zierlichen Fuß der Länge und Breite nach umspannte mit dem Schnürchen und sorgfältig Knoten in dasselbe knüpfte. "Du Schuhmacher!"  sagte Vrenchen und lachte errötend und freundschaftlich zu ihm nieder. Sali wurde aber a uch rot und hielt den Fuß fest in seinen Händen, länger als nötig war, so daß Vrenchen ihn, noch tiefer errötend, zurückzog, den verwirrten Sali aber noch einmal stürmisch umhalste und küßte, dann aber fortschickte. Sobald er in der Stadt war, trug er seine Uhr zu einem Uhrmacher, der ihm sechs oder sieben Gulden dafür gab; für die silberne Kette bekam er auch eini ge Gulden, und er dünkte sich nun reich genug, denn er hatte, seit er groß war, nie so viel Geld besessen auf einmal. Wenn nur erst der Tag vorüber und der Sonntag angebrochen wäre, um das Glück damit zu erkaufen, das er sich von dem Tage versprach, dachte er; denn wenn das Übermorgen auch um so dunkler und unbekannter hereinragte, so gewann die ersehnte Lustbarkeit von morgen nur einen seltsamem erhöhten Glanz und Schein. Indessen brachte er die Zeit noch leidlich hin, indem er ein Paar Schuhe für Vrenchen suchte, und
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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