| |
offenstehende Tür hereinkam. "Sali!" rief Vrenc
Hals; dann sahen sich aber beide erschrocken an und riefen: "Wie sieh st du elend aus!"
Denn Sali sah nicht minder als Vrenchen bleich und abgezehrt aus. Alles vergessend zog
es ihn zu sich auf den Herd und sagte: "Bist du krank gewesen, oder i st es dir auch so
schlimm gegangen?" Sali antwortete: "Nein, ich bin gerade nicht krank, außer vor
Heimweh nach dir! Bei uns geht es jetzt hoch und herrlich zu; der Vater hat einen Einzug
und Unterschleif von auswärtigem Gesindel und ich glaube, soviel ich merke, ist er ein
Diebshehler geworden. Deshalb ist jetzt einstweilen Hülle und Fülle in unserer Taverne,
solang es geht und bis es ein Ende mit Schrecken nimmt. Die Mutter hilft dazu, aus
bitterlicher Gier, nur etwas im Hause zu sehen, und glaubt den Unfug noch durch eine
gewisse Aufsicht und Ordnung annehmlich und nützlich zu machen! Mich fragt man nicht
und ich konnte mich nicht viel darum kümmern; denn ich kann nur an di ch denken Tag und
Nacht. Da allerlei Landstreicher bei uns einkehren, so haben wir alle Ta ge gehört, was bei
euch vorgeht, worüber mein Vater sich freut wie ein kleines Kind. Daß dein Vater heute
nach dem Spittel gebracht wurde, haben wir auch vernommen; ich habe gedacht, du
werdest jetzt allein sein, und bin gekommen, um dich zu sehen!" Vrenc hen klagte ihm jetzt
auch alles, was sie drückte und was sie erlitt,
ob sie ein großes Glück beschriebe, weil sie glücklich war, Sal i neben sich zu sehen. Sie
brachte inzwischen notdürftig ein Becken voll warmen Kaffee zusammen, welchen mit ihr
zu teilen sie den Geliebten zwang. "Also übermorgen mußt du hier weg?" sagte Sali,
"was soll denn ums Himmels willen werden?" - "Das weiß ich n icht", sagte Vrenchen,
"ich werde dienen müssen und in die Welt hinaus! Ich werde es aber nicht aushalten ohne
dich, und doch kann ich dich nie bekommen, auch wenn alles andere nicht wäre, bloß weil
du meinen Vater geschlagen und um den Verstand gebracht hast! Dies wü rde immer ein
schlechter Grundstein unserer Ehe sein und wir beide nie sorglos werden, nie!" Sali
seufzte und sagte: "Ich wollte auch schon hundertm
fremden Gegend als Knecht verdingen, aber ich kann doch nicht fortgehen, solange du
hier bist, und hernach wird es mich aufreiben. Ich glaube, das Elend macht meine Liebe zu
dir stärker und schmerzhafter, so daß es um Leben und Tod geht! Ic h habe von
dergleichen keine Ahnung gehabt!" Vrenchen sah ihn liebevoll läche lnd an; sie lehnten
sich an die Wand zurück und sprachen nichts mehr, sondern gaben sich schweigend der
glückseligen Empfindung hin, die sich über allen Gram erhob, daß sie sich im größten
Ernste gut wären und geliebt wüßten. Darüber schliefen sie friedlich ein auf dem
unbequemen Herde, ohne Kissen und Pfühl, und schliefen so sanft und r uhig wie zwei
Kinder in einer Wiege. Schon graute der Morgen, als Sali zuerst erwachte; er weckte
Vrenchen, so sacht er konnte; aber es duckte sich immer wieder an ihn, schlaftrunken,
und wollte sich nicht ermuntern. Da küßte er es heftig auf den Mund und Vrenchen fuhr
empor, machte die Augen weit auf, und als es Sali erblickte, rief es: "Herrgott! ich habe
eben noch von dir geträumt! Es träumte mir, wir tanzten miteinander auf unserer Hochzeit,
lange, lange Stunden! und waren so glücklich, sauber geschmückt und es fehlte uns an
nichts. Da wollten wir uns endlich küssen und dürsteten darnach, aber immer zog uns
etwas auseinander, und nun bist du es selbst gewesen, der uns gestört und gehindert hat!
Aber wie gut, daß du gleich da bist!" Gierig fiel es ihm um den Hals und küßte ihn, als ob
es kein Ende nehmen sollte. "Und was hast du denn geträumt?" fragte es und streichelte
ihm Wangen und Kinn. "Mir träumte, ich ginge endlos auf einer langen Straße durch einen
Wald und du in der Ferne immer vor mir her; zuweilen sahest du nach mir um, winktest mir
und lachtest und dann war ich wie im Himmel. Das ist alles!" Sie traten unter die
offengebliebene Küchentüre, die unmittelbar ins
sich ins Gesicht sahen. Denn die rechte Wange Vrenchens und die linke Sa lis, welche im
Schlafe aneinander gelehnt hatten, waren von dem Drucke ganz rot gefärbt, während die
Blässe der anderen durch die kühle Nachtluft noch erhöht war. S ie rieben sich zärtlich die
kalte bleiche Seite ihrer Gesichter, um sie auch rot zu machen; die frische Morgenluft, der
|  |
|
| |
|
|