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erinnerte sich nur dunkel an das Geschehene und wie an etwas sehr Lustig es, was ihn
nicht weiter berühre, lachte immer wie ein Narr und war guter Dinge. Noch im Bette
liegend, brachte er hundert närrische, sinnlos mutwillige Redensarten und Einfälle zum
Vorschein, schnitt Gesichter und zog sich die schwarzwollene Zipfelmütze in die Augen
und über die Nase herunter, daß diese aussah wie ein Sarg unter einem Bahrtuch. Das
bleiche und abgehärmte Vrenchen hörte ihm geduldig zu, Tränen v ergießend über das
törichte Wesen, welches die arme Tochter noch mehr ängstigte als die frühere Bosheit;
aber wenn der Alte zuweilen etwas gar zu Drolliges anstellte, so mußte es mitten in seiner
Qual laut auflachen, da sein unterdrücktes Wesen immer zur Lust aufzuspringen bereit
war, wie ein gespannter Bogen, worauf dann eine um so tiefere Betrübnis erfolgte. Als der
Alte aber aufstehen konnte, war gar nichts mehr mit ihm anzustellen; er machte nichts als
Dummheiten, lachte und stöberte um das Haus herum, setzte sich in die Sonne und
streckte die Zunge heraus oder hielt lange Reden in die Bohnen hinein.
Um die gleiche Zeit aber war es auch aus mit den wenigen Überbleibsel n seines
ehemaligen Besitzes und die Unordnung so weit gediehen, daß auch sein Haus und der
letzte Acker, seit geraumer Zeit verpfändet, nun gerichtlich verkauft wurden. Denn der
Bauer, welcher die zwei Äcker des Manz gekauft, benutzte die gänzl iche Verkommenheit
Martis und seine Krankheit und führte den alten Streit wegen des strittigen Steinfleckes
kurz und entschlossen zu Ende, und der verlorene Prozeß trieb Martis Faß vollends den
Boden aus, indessen er in seinem Blödsinne nichts mehr von diesen Din gen wußte. Die
Versteigerung fand statt; Marti wurde von der Gemeinde in einer Stiftung für dergleichen
arme Tröpfe auf öffentliche Kosten untergebracht. Diese Anstalt befand sich in der
Hauptstadt des Ländchens; der gesunde und eßbegierige Blödsinnige wurde noch gut
gefüttert, dann auf ein mit Ochsen bespanntes Wägelchen geladen, d as ein ärmlicher
Bauersmann nach der Stadt führte, um zugleich einen oder zwei Säcke Kartoffeln zu
verkaufen, und Vrenchen setzte sich zu dem Vater auf das Fuhrwerk, um ih n auf diesem
letzten Gange zu dem lebendigen Begräbnis zu begleiten. Es war eine traurige und bittere
Fahrt, aber Vrenchen wachte sorgfältig über seinen Vater und ließ es ihm an nichts fehlen,
und es sah sich nicht um und ward nicht ungeduldig, wenn durch die Kapri olen des
Unglücklichen die Leute aufmerksam wurden
durchfuhren. Endlich erreichten sie das weitläufige Gebäude in der Stadt, wo die langen
Gänge, die Höfe und ein freundlicher Garten von einer Menge ähnlicher Tröpfe belebt
waren, die alle in weiße Kittel gekleidet waren und dauerhafte Lederkäppchen auf den
harten Köpfen trugen. Auch Marti wurde noch vor Vrenchens Augen in diese Tracht
gekleidet, und er freuete sich wie ein Kind darüber und tanzte singend umher. "Gott grüß
euch, ihr geehrten Herren!" rief er seine neuen Genossen an, "ein schönes Haus habt ihr
hier! Geh heim, Vrenggel, und sag der Mutter, ich komme nicht mehr nach Haus, hier
gefällts mir bei Gott! Juchhei! Es kreucht ein Igel über den Hag, ich hab ihn hören bellen!
O Meitli, küß kein alten Knab, küß nur die jungen Gesellen! Alle die Wässerlein laufen in
Rhein, die mit dem Pflaumenaug, die muß es sein! Gehst du schon, Vreeli? Du siehst ja
aus wie der Tod im Häfelein und geht es mir doch so erfreulich! Die Füchsin schreit im
Felde: Halleo, halleo! das Herz tut ihr weho! hoho!" Ein Aufseher geb ot ihm Ruhe und
führte ihn zu einer leichten Arbeit, und Vrenchen ging das Fuhrwerk aufzusuchen. Es
setzte sich auf den Wagen, zog ein Stückchen Brot hervor und aß da sselbe, dann schlief
es, bis der Bauer kam und mit ihm nach dem Dorfe zurückfuhr. Sie kamen erst in der
Nacht an. Vrenchen ging nach dem Hause, in dem es geboren und nur zwei T age bleiben
durfte, und es war jetzt zum erstenmal in seinem Leben ganz allein darin. Es machte ein
Feuer, um das letzte Restchen Kaffee zu kochen, das es noch besaß, un d setzte sich auf
den Herd, denn es war ihm ganz elendiglich zumut. Es sehnte sich und hä rmte sich ab,
den Sali nur ein einziges Mal zu sehen, und dachte inbrünstig an ihn; aber die Sorgen und
der Kummer verbitterten seine Sehnsucht und diese machte die Sorgen wieder viel
schwerer. So saß es und stützte den Kopf in die Hände, als jema nd durch die
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