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und nicht sobald gewann der Verdacht eine bestimmte Gestalt, als er mitt en in den
Gassen von Seldwyla umkehrte und wieder in das Dorf hinaustrollte, wo er seine Tochter
in Haus und Hof rings in den Hecken vergeblich suchte. Mit wachsender Ne ugier rannte er
auf den Acker hinaus, und als er da Vrenches Korb liegen sah, in welchem es die Früchte
zu holen pflegte, das Mädchen selbst aber nirgends erblickte, spähte er eben am Korne
des Nachbars herum, als die erschrockenen Kinder herauskamen.
Sie standen wie versteinert und Marti stand erst auch da und beschaute s ie mit bösen
Blicken, bleich wie Blei; dann fing er fürchterlich an zu toben in Ge bärden und
Schimpfworten und langte zugleich grimmig nach dem jungen Burschen, um ihn zu
würgen; Sali wich aus und floh einige Schritte zurück, entsetzt ü ber den wilden Mann,
sprang aber sogleich wieder zu, als er sah, daß der Alte statt seiner nun das zitternde
Mädchen faßte, ihm eine Ohrfeige gab, daß der
um die Hand wickelte, um es mit sich fortzureißen und weiter zu mißhandeln. Ohne sich
zu besinnen, raffte er einen Stein auf und schlug mit demselben den Alte n gegen den
Kopf, halb in Angst um Vrenchen und halb im Jähzorn. Marti taumelte erst ein wenig, sank
dann bewußtlos auf den Steinhaufen nieder und zog das erbärmlich aufschreiende
Vrenchen mit. Sali befreite noch dessen Haare aus der Hand des Bewußt losen und
richtete es auf; dann stand er da wie eine Bildsäule, ratlos und geda nkenlos. Das
Mädchen, als es den wie tot daliegenden Vater sah, fuhr sich mit den Händen über das
erbleichende Gesicht, schüttelte sich und sagte: "Hast du ihn ersc hlagen?" Sali nickte
lautlos und Vrenchen schrie: "O Gott, du lieber Gott! Es ist mein Vater! Der arme Mann!"
und sinnlos warf es sich über ihn und hob seinen Kopf auf, an welchem indessen kein Blut
floß. Es ließ ihn wieder sinken; Sali ließ sich auf der anderen Seite des Mannes nieder,
und beide schauten, still wie das Grab und mit erlahmten reglosen Händen, in das leblose
Gesicht. Um nur etwas anzufangen, sagte endlich Sali: "Er wird doch nicht gleich tot sein
müssen? Das ist gar nicht ausgemacht!" Vrenchen riß ein Blatt von einer Klatschrose ab
und legte es auf die erblaßten Lippen und es bewegte sich schwach. " Er atmet noch", rief
es, "so lauf doch ins Dorf und hol Hilfe!" Als Sali aufsprang und laufen wollte, streckte es
ihm die Hand nach und rief ihn zurück: "Komm aber nicht mit zurück und sage nichts, wie
es zugegangen, ich werde auch schweigen, man soll nichts aus mir herausbringen!" sagte
es und sein Gesicht, das es dem armen ratlosen Burschen zuwandte, übe rfloß von
schmerzlichen Tränen. "Komm, küß mich noch einm
aus, es ist ewig aus, wir können nicht zusammenkommen!" Es stieß ihn fort und er lief
willenlos dem Dorfe zu. Er begegnete einem Knäbchen, das ihn nicht kannte; diesem trug
er auf, die nächsten Leute zu holen, und beschrieb ihm genau, wo die Hilfe nötig sei. Dann
machte er sich verzweifelt fort und irrte die ganze Nacht im Gehölze herum. Am Morgen
schlich er in die Felder, um zu erspähen, wie es gegangen sei, und hö rte von frühen
Leuten, welche miteinander sprachen, daß Marti noch lebe, aber nichts von sich wisse,
und wie das eine seltsame Sache wäre, da kein Mensch wisse, was ihm z ugestoßen. Erst
jetzt ging er in die Stadt zurück und verbarg sich in dem dunklen Ele nd des Hauses.
Vrenchen hielt ihm Wort; es war nichts aus ihm herauszufragen als daß es selbst den
Vater so gefunden habe, und da er am andern Tage sich wieder tüchtig regte und atmete,
freilich ohne Bewußtsein, und überdies kein Kläger da war, so nahm man an, er sei
betrunken gewesen und auf die Steine gefallen, und ließ die Sache auf sich beruhen.
Vrenchen pflegte ihn und ging nicht von seiner Seite, außer um die Arzneimittel zu holen
beim Doktor und etwa für sich selbst eine schlechte Suppe zu kochen; denn es lebte
beinahe von nichts, obgleich es Tag und Nacht wach sein mußte und nie mand ihm half.
Es dauerte beinahe sechs Wochen, bis der Kranke allmählich zu seinem Bewußtsein kam,
obgleich er vorher schon wieder aß und in seinem Bette ziemlich munter war. Aber es war
nicht das alte Bewußtsein, das er jetzt erlangte, sondern es zeigte sich immer deutlicher,
je mehr er sprach, daß er blödsinnig geworden, und zwar auf die wunderlichste Weise. Er
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