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Kinder am Wege aufgelesen, und eine völlig nackte Puppe mit nur einem Bein und einem
verschmierten Gesicht, welche wie ein Fräulein zwischen den Broten sa ß und sich
behaglich fahren ließ. Dies Fuhrwerk hielt nach manchem Anstoß und Aufenthalt endlich
auf der Höhe im Schatten eines jungen Lindengebüsches, welches da am Rande des
Feldes stand, und nun konnte man die beiden Fuhrleute näher betrachten. Es war ein
Junge von sieben Jahren und ein Dirnchen von fünfen, beide gesund und munter, und
weiter war nichts Auffälliges an ihnen als daß beide sehr hübsc he Augen hatten und das
Mädchen dazu noch eine bräunliche Gesichtsfarbe und ganz krause dunkle Haare, welche
ihm ein feuriges und treuherziges Ansehen gaben. Die Pflüger waren jetzt auch wieder
oben angekommen, steckten den Pferden etwas Klee vor und ließen die Pflüge in der
halbvollendeten Furche stehen, während sie als gute Nachbaren sich zu dem
gemeinschaftlichen Imbiß begaben und sich da zuerst begrüßten; denn bislang hatten sie
sich noch nicht gesprochen an diesem Tage.
Wie nun die Männer mit Behagen ihr Frühstück einnahmen und mit zufriedenem
Wohlwollen den Kindern mitteilten, die nicht von der Stelle wichen, sola nge gegessen und
getrunken wurde, ließen sie ihre Blicke in der Nähe und Ferne herumschweifen und sahen
das Städtchen räucherig glänzend in seinen Bergen liegen; denn das reichliche
Mittagsmahl, welches die Seldwyler alle Tage bereiteten, pflegte ein weithin scheinendes
Silbergewölk über ihre Dächer emporzutragen, welches lachend an ihren Bergen
hinschwebte.
"Die Lumpenhunde zu Seldwyl kochen wieder gut!" sagte Manz, der ei ne der Bauern, und
Marti, der andere, erwiderte: "Gestern war einer bei mir wegen des Ackers hier." - "Aus
dem Bezirksrat? bei mir ist er auch gewesen!" sagte Manz. "So? und meinte
wahrscheinlich auch, du solltest das Land benutzen und den Herren die Pa cht zahlen?" -
"Ja, bis es sich entschieden habe, wem der Acker gehöre und was mi t ihm anzufangen
sei. Ich habe mich aber bedankt, das verwilderte Wesen für einen andern herzustellen,
und sagte, sie sollten den Acker nur verkaufen und den Ertrag aufheben, bis sich ein
Eigentümer gefunden, was wohl nie geschehen wir
Seldwyl liegt, hat da gute Weile, und überdem ist die Sache schwer zu entscheiden. Die
Lumpen möchten indessen gar zu gern etwas zu naschen bekommen durch d en
Pachtzins, was sie freilich mit der Verkaufssumme auch tun könnten; allein wir würden uns
hüten, dieselbe zu hoch hinaufzutreiben, und wir wüßten dann doch, was wir hätten und
wem das Land gehört!" "Ganz so meine ich auch und habe dem Stec kleinspringer eine
ähnliche Antwort gegeben!"
Sie schwiegen eine Weile, dann fing Manz wiederum an: "Schad ist es a ber doch, daß der
gute Boden so daliegen muß, es ist nicht zum Ansehen, das geht nun sc hon in die
zwanzig Jahre so und keine Seele fragt darnach; denn hier im Dorf ist niemand, der
irgendeinen Anspruch auf den Acker hat, und niemand weiß auch, wo die Kinder des
verdorbenen Trompeters hingekommen sind."
"Hm!" sagte Marti, "das wäre so eine Sache! Wenn ich den schwarzen Geiger ansehe,
der sich bald bei den Heimatlosen aufhält, bald in den Dörfern zum Tanz aufspielt, so
möchte ich darauf schwören, daß er ein Enkel des Trompeters ist, der freilich nicht weiß,
daß er noch einen Acker hat. Was täte er aber damit? Einen Monat l ang sich besaufen
und dann nach wie vor! Zudem, wer dürfte da einen Wink geben, da man es doch nicht
sicher wissen kann!"
"Da könnte man eine schöne Geschichte anrichten!" antwortete Manz, "wir haben so
genug zu tun, diesem Geiger das Heimatsrecht in unserer Gemeinde abzustreiten, da man
uns den Fetzel fortwährend aufhalsen will. Haben sich seine Eltern einmal unter die
Heimatlosen begeben, so mag er auch dableiben und dem Kesselvolk das Gei gelein
streichen. Wie in aller Welt können wir wissen, daß er des Trompeters Sohnessohn ist?
Was mich betrifft, wenn ich den Alten auch in dem dunklen Gesicht vollko mmen zu
erkennen glaube, so sage ich: irren ist menschlich, und das geringste Fetzchen Papier, ein
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