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Romeo und Julia auf dem Dorfe

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Händen, welche sich kunterbunt darauf streichelten und bekriegten. Sali wußte sich nicht zu lassen vor Freuden, das schlanke schöne Geschöpf vor sich zu se hen, es sein eigen zu wissen, und es dünkte ihm ein Königreich. "Alle deine weiß en Zähne hast du noch!" lachte er, "weißt du noch, wie oft wir sie einst gezählt haben? Kannst du jetzt zählen?" - "Das sind ja nicht die gleichen, du Kind!" sagte Vrenchen, "jene sind längst ausgefallen!" Sali wollte nun in seiner Einfalt jenes Spiel wieder erneuern und die glänzenden Zahnperlen zählen; aber Vrenchen verschloß plötzlich den roten Mund, richtete sich auf und begann einen Kranz von Mohnrosen zu winden, den es sich auf den Kopf  setzte. Der Kranz war voll und breit und gab der bräunlichen Dirne ein fabelhaftes reizendes Ansehen, und der arme Sali hielt in seinem Arm, was reiche Leute teuer bezahlt hätten, wenn sie es nur gemalt an ihren Wänden hätten sehen können. Jetzt sprang sie aber empor und rief. "Himmel, wie heiß ist es hier! Da sitzen wir wie die Narren und la ssen uns versengen! Komm, mein Lieber! laß uns ins hohe Korn sitzen!" Sie schlüpften hinein so geschickt und sachte, daß sie kaum eine Spur zurückließen, und bauten sich ei nen engen Kerker in den goldenen Ähren, die ihnen hoch über den Kopf ragten, als sie drin saßen, so daß sie nur den tiefblauen Himmel über sich sahen und sonst nichts von der Welt.  Sie umhalsten sich und küßten sich unverweilt und so lange, bis sie einstweilen müde waren, oder wie man es nennen will, wenn das Küssen zweier Verliebter auf eine oder zwei Minuten sich selbst überlebt und die Vergänglichkeit alles Lebens mitten im Rausche der Blütezeit ahnen läßt. Sie hörten die Lerchen singen hoch über sich und suchten dieselben  mit ihren scharfen Augen, und wenn sie glaubten, flüchtig eine in der Sonne aufblitzen zu sehen, gleich einem plötzlich aufleuchtenden oder hinschie sie sich wieder zur Belohnung und suchten einander zu übervorteilen u nd zu täuschen, soviel sie konnten. "Siehst du, dort blitzt eine!" flüsterte Sali und Vrenchen erwiderte ebenso leise: "Ich höre sie wohl, aber ich sehe sie nicht!" - " Doch, paß nur auf, dort wo das weiße Wölkchen steht, ein wenig rechts davon!" Und beide sa hen eifrig hin und sperrten vorläufig ihre Schnäbel auf, wie die jungen Wachteln im N este, um sie unverzüglich aufeinander zu heften, wenn sie sich einbildeten, die Lerche gesehen zu haben. Auf einmal hielt Vrenchen inne und sagte: "Dies ist also eine ausgemachte Sache, daß jedes von uns einen Schatz hat, dünkt es dich nicht so?" -  "Ja", sagte Sali, "es scheint mir auch so!" - "Wie gefällt dir denn dein Schätzchen", sagte Vrenchen, "was ist es für ein Ding, was hast du von ihm zu melden?" -"Es ist ein g ar feines Ding", sagte Sali, "es hat zwei braune Augen, einen roten Mund und läuft auf zwei Füßen; aber seinen Sinn kenn ich weniger als den Papst zu Rom! Und was kannst du von deinem Scha tz berichten?" - "Er hat zwei blaue Augen, einen nichtsnutzigen Mund  und braucht zwei verwegene starke Arme; aber seine Gedanken sind mir unbekannter als der  türkische Kaiser!" - "Es ist eigentlich wahr", sagte Sali, "daß wir uns weniger kennen als wenn wir uns nie gesehen hätten, so fremd hat uns die lange Zeit gemacht, seit wir groß geworden sind! Was ist alles vorgegangen in deinem Köpfchen, mein liebes Kind?" "Ach, nicht viel! Tausend Narrenspossen haben sich wollen regen, aber es ist mir immer so  trübselig ergangen, daß sie nicht aufkommen konnten!" - "Du armes Schätzchen", sagte Sali, "ich glaube aber, du hast es hinter den Ohren, nicht?" "Das kannst du j a nach und nach erfahren, wenn du mich recht lieb hast!" - "Wenn du einst meine Frau bist?" Vrenchen zitterte leis bei diesem letzten Worte und schmiegte sich tiefer in Salis Arme, ihn von neuem lange und zärtlich küssend. Es traten ihr dabei Tränen in die Augen, und beide wurden auf einmal traurig, da ihnen ihre hoffnungsarme Zukunft in den Sinn kam und die Feindschaft ihrer Eltern. Vrenchen seufzte und sagte: "Komm, ich muß  nun gehen!" und so erhoben sie sich und gingen Hand in Hand aus dem Kornfeld, als sie Vr enchens Vater spähend vor sich sahen. Mit dem kleinlichen Scharfsinn des müßi gen Elendes hatte dieser, als er dem Sali begegnet, neugierig gegrübelt, was der wohl a llein im Dorfe zu suchen ginge, und sich des gestrigen Vorfalles erinnernd, verfiel er, immer nach der Stadt zu schlendernd, endlich auf die richtige Spur, rein aus Groll und unbeschäftigter Bosheit,
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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