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Vrenchen nie wieder zu sehen bekommen, so hätten sich seine Erinnerungskräfte schon
behelfen müssen und das liebe Gesicht säuberlich wieder zusammenge tragen, daß nicht
ein Zug daran fehlte. Jetzt aber versagten sie schlau und hartnäckig ihren Dienst, weil die
Augen nach ihrem Recht und ihrer Lust verlangten, und als am Nachmittage die Sonne
warm und hell die oberen Stockwerke der schwarzen Häuser beschien, st rich Sali aus
dem Tore und seiner alten Heimat zu, welche ihm jetzt erst ein himmlisches Jerusalem zu
sein schien mit zwölf glänzenden Pforten und die sein Herz klopfen machte, als er sich ihr
näherte.
Er stieß auf dem Wege auf Vrenchens Vater, welcher nach der Stadt zu gehen schien. Der
sah sehr wild und liederlich aus, sein grau gewordener Bart war seit Woc hen nicht
geschoren, und er sah aus wie ein recht böser verlorener Bauersmann, der sein Feld
verscherzt hat und nun geht, um andern Übles zuzufügen. Dennoch sah ihn Sali, als sie
sich vorübergingen, nicht mehr mit Haß, sondern voll Furcht und Sc heu an, als ob sein
Leben in dessen Hand stände und er es lieber von ihm erflehen als ert rotzen möchte.
Marti aber maß ihn mit einem bösen Blicke von oben bis unten und g ing seines Weges.
Das war indessen dem Sali recht, welchem es nun, da er den Alten das Dor f verlassen
sah, deutlicher wurde, was er eigentlich da wolle, und er schlich sich auf altbekannten
Pfaden so lange um das Dorf herum und durch dessen verdeckte Gäßchen, bis er sich
Martis Haus und Hof gegenüber befand. Seit mehreren Jahren hatte er diese Stätte nicht
mehr so nah gesehen; denn auch als sie noch hier wohnten, hüteten sich die verfeindeten
Leute gegenseitig, sich ins Gehege zu kommen. Deshalb war er nun erstaunt über das,
was er doch an seinem eigenen Vaterhause erlebt, und starrte voll Verwun derung in die
Wüstenei, die er vor sich sah. Dem Marti war ein Stück Ackerland um das andere
abgepfändet worden, er besaß nichts mehr als das Haus und den Platz davor nebst etwas
Garten und dem Acker auf der Höhe am Flusse, von welchem er hartnäckig am längsten
nicht lassen wollte.
Es war aber keine Rede mehr von einer ordentlichen Bebauung, und auf dem Acker, der
einst so schön im gleichmäßigen Korne gewogt, wenn die Ernte kam, waren jetzt allerhand
abfällige Samenreste gesäet und aufgegangen, aus alten Schachteln und zerrissenen
Düten zusammengekehrt, Rüben, Kraut und dergleichen und etwas Kartoffeln, so daß der
Acker aussah wie ein recht übel gepflegter Gemüseplatz und eine wu nderliche
Musterkarte war, dazu angelegt, um von der Hand in den Mund zu leben, hier eine
Handvoll Rüben auszureißen, wenn man Hunger hatte und nichts Besse res wußte, dort
eine Tracht Kartoffeln oder Kraut, und das übrige fortwuchern oder verfaulen zu lassen,
wie es mochte. Auch lief jedermann darin herum, wie es ihm gefiel, und d as schöne breite
Stück Feld sah beinahe so aus wie einst der herrenlose Acker, von dem alles Unheil
herkam. Deshalb war um das Haus nicht eine Spur von Ackerwirtschaft zu sehen. Der
Stall war leer, die Türe hing nur in einer Angel, und unzählige Kreuzspinnen, den Sommer
hindurch halb groß geworden, ließen ihre Fäden in der Sonne glä nzen vor dem dunklen
Eingang. An dem offenstehenden Scheunentor, wo einst die Früchte des festen Landes
eingefahren, hing schlechtes Fischergeräte, zum Zeugnis der verkehrten
Wasserpfuscherei; auf dem Hofe war nicht ein Huhn und nicht eine Taube, weder Katze
noch Hund zu sehen; nur der Brunnen war noch als etwas Lebendiges da, aber er floß
nicht mehr durch die Röhre, sondern sprang durch einen Riß nahe am Boden über diesen
hin und setzte überall kleine Tümpel an, so daß er das beste Si nnbild der Faulheit abgab.
Denn während mit wenig Mühe des Vaters das Loch zu verstopfen und die Röhre
herzustellen gewesen wäre, mußte sich Vrenchen nun abquälen, selbst das lautere
Wasser dieser Verkommenheit abzugewinnen und seine Wäscherei in den s eichten
Sammlungen am Boden vorzunehmen statt in dem vertrockneten und zerspellten Troge.
Das Haus selbst war ebenso kläglich anzusehen; die Fenster waren viel fältig zerbrochen
und mit Papier verklebt, aber doch waren sie das Freundlichste an dem Ve rfall; denn sie
waren, selbst die zerbrochenen Scheiben, klar und sauber gewaschen, ja förmlich poliert,
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