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schreien: "Wenn dem nur so wäre, so wollte ich mich freuen, du elender Tropf!" - "O du
Hund!" schrie Marti herüber und Manz hinüber: "O du Kalb, wi e dumm tust du!" Und jener
sprang wie ein Tiger den Bach entlang und suchte herüberzukommen. Der Grund, warum
er der Wütendere war, lag in seiner Meinung, daß Manz als Wirt wenigstens genug zu
essen und zu trinken hätte und gewissermaßen ein kurzweiliges Lebe n führe, während es
ungerechterweise ihm so langweilig wäre auf seinem zertrümmerten Hofe. Manz schritt
indessen auch grimmig genug an der anderen Seite hin; hinter ihm sein Sohn, welcher,
statt auf den bösen Streit zu hören, neugierig und verwundert nach Vrenchen hinübersah,
welche hinter ihrem Vater ging, vor Scham in die Erde sehend, daß ihr die braunen
krausen Haare ins Gesicht fielen. Sie trug einen hölzernen Fischeimer in der einen Hand,
in der anderen hatte sie Schuh und Strümpfe getragen und ihr Kleid de r Nässe wegen
aufgeschürzt. Seit aber Sali auf der anderen Seite ging, hatte sie es schamhaft sinken
lassen und war nun dreifach belästigt und gequält, da sie alle das Zeug tragen, den Rock
zusammenhalten und des Streites wegen sich grämen mußte. Hätte sie aufgesehen und
nach Sali geblickt, so würde sie entdeckt haben,
mehr aussah und selbst bekümmert genug war. Während Vrenchen so ganz beschämt
und verwirrt auf die Erde sah und Sali nur diese in allem Elende schlanke und anmutige
Gestalt im Auge hatte, die so verlegen und demütig dahinschritt, beachteten sie dabei
nicht, wie ihre Väter still geworden, aber mit verstärkter Wut einem hölzernen Stege
zueilten, der in kleiner Entfernung über den Bach führte und eben sichtbar wurde. Es fing
an zu blitzen und erleuchtete seltsam die dunkle melancholische Wassergegend; es
donnerte auch in den grauschwarzen Wolken mit dumpfem Grolle und schwere
Regentropfen fielen, als die verwilderten Männer gleichzeitig auf die schmale, unter ihren
Tritten schwankende Brücke stürzten, sich gegenseitig packten und die Fäuste in die vor
Zorn und ausbrechendem Kummer bleichen zitternden Gesichter schlugen. Es ist nichts
Anmutiges und nichts weniger als artig, wenn sonst gesetzte Menschen noc h in den Fall
kommen, aus Übermut, Unbedacht oder Notwehr unter allerhand Volk, das sie nicht näher
berührt, Schläge auszuteilen oder welche zu bekommen; allein dies ist eine harmlose
Spielerei gegen das tiefe Elend, das zwei alte Menschen überwältig t, die sich wohl kennen
und seit lange kennen, wenn diese aus innerster Feindschaft und aus dem Gange einer
ganzen Lebensgeschichte heraus sich mit nackten Händen anfassen und m it Fäusten
schlagen. So taten jetzt diese beide ergrauten Männer; vor fünfzig Jahren vielleicht hatten
sie sich als Buben zum letztenmal gerauft, dann aber fünfzig lange Jahre mit keiner Hand
mehr berührt, ausgenommen in ihrer guten Zeit, wo sie sich etwa zum G ruße die Hände
geschüttelt, und auch dies nur selten bei ihrem trockenen und sichern Wesen. Nachdem
sie ein oder zweimal geschlagen, hielten sie inne und rangen still zitternd miteinander, nur
zuweilen aufstöhnend und elendiglich knirschend, und einer suchte den andern über das
knackende Geländer ins Wasser zu werfen. Jetzt waren aber auch ihre K inder
nachgekommen und sahen den erbärmlichen Auftritt. Sali sprang eines Satzes heran, um
seinem Vater beizustehen und ihm zu helfen, dem gehaßten Feinde den G araus zu
machen, der ohnehin der schwächere schien und eben zu unterliegen drohte. Aber auch
Vrenchen sprang, alles wegwerfend, mit einem langen Aufschrei herzu und umklammerte
ihren Vater, um ihn zu schützen, während sie ihn dadurch nur hinderte und beschwerte.
Tränen strömten aus ihren Augen und sie sah flehend den Sali an, der im Begriff war,
ihren Vater ebenfalls zu fassen und vollends zu überwältigen. Unwillkürlich legte er aber
seine Hand an seinen eigenen Vater und suchte denselben mit festem Arm v on dem
Gegner loszubringen und zu beruhigen, so daß der Kampf eine kleine Weile ruhte oder
vielmehr die ganze Gruppe unruhig hin und her drängte, ohne auseinander zu kommen.
Darüber waren die jungen Leute, sich mehr zwischen die Alten schiebend, in dichte
Berührung gekommen, und in diesem Augenblicke erhellte ein Wolkenriß, der den grellen
Abendschein durchließ, das nahe Gesicht des Mädchens, und Sali sah in dies ihm so
wohlbekannte und doch so viel anders und schöner gewordene Gesicht. V renchen sah in
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