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in der sie unwiderstehlich zu sein glaubte. Zu einem leinenen ungefärbten Landrock trug
sie einen alten grünseidenen Spenser, eine baumwollene Schürze und einen schlimmen
weißen Halskragen. Von ihrem nicht mehr dichten Haar hatte sie an den Schläfen
possierliche Schnecken gewickelt und in das Zöpfchen hinten einen hoh en Kamm
gesteckt. So schwänzelte und tänzelte sie mit angestrengter Anmut herum, spitzte
lächerlich das Maul, daß es süß aussehen sollte, hüpfte e lastisch an die Tische hin, und
das Glas oder den Teller mit gesalzenem Käse hinsetzend, sagte sie lä chelnd: "So so? so
soli! herrlich herrlich, ihr Herren!" und solches dummes Zeug mehr; denn obwohl sie sonst
eine geschaffene Zunge hatte, so wußte sie jetzt doch nichts Gescheites vorzubringen, da
sie fremd war und die Leute nicht kannte. Die Seldwyler von der schlechtesten Sorte, die
da hockten, hielten die Hand vor den Mund, wollten vor Lachen ersticken, stießen sich
unter dem Tisch mit den Füßen und sagten: "Pot
Himmlische!" sagte ein anderer, "beim ewigen Hagel! es ist der Mühe wert, hierher zu
kommen, so eine haben wir lang nicht gesehen!" Ihr Mann bemerkte das wohl mit finsterm
Blicke; er gab ihr einen Stoß in die Rippen und flüsterte: "Du alte Kuh! Was machst du
denn?" - "Störe mich nicht", sagte sie unwillig, "du alter Tolpatsch! siehst du nicht, wie
ich mir Mühe gebe und mit den Leuten umzugehen weiß? Das sind aber nur Lumpen von
deinem Anhang! Laß mich nur machen, ich will bald fürnehmere Kundschaft hier haben!"
Dies alles war beleuchtet von einem oder zwei dünnen Talglichten; Sali, der Sohn, aber
ging hinaus in die dunkle Küche, setzte sich auf den Herd und weinte über Vater und
Mutter.
Die Gäste hatten aber das Schauspiel bald satt, welches ihnen die gut e Frau Manz
gewährte, und blieben wieder, wo es ihnen wohler war und sie über die wunderliche
Wirtschaft lachen konnten; nur dann und wann erschien ein einzelner, der ein Glas trank
und die Wände angähnte, oder es kam ausnahmsweise eine ganze Bande , die armen
Leute mit einem vorübergehenden Trubel und Lärm zu täuschen. Es ward ihnen angst und
bange in dem engen Mauerwinkel, wo sie kaum die Sonne sahen, und Manz, welcher
sonst gewohnt war tagelang in der Stadt zu liegen, fand es jetzt unerträglich zwischen
diesen Mauern. Wenn er an die freie Weite der Felder dachte, so stierte er finster brütend
an die Decke oder auf den Boden, lief unter die enge Haustüre und wie der zurück, da die
Nachbaren den bösen Wirt, wie sie ihn schon nannten, angafften. Nun dauerte es aber
nicht mehr lange und sie verarmten gänzlich und hatten gar nichts meh r in der Hand; sie
mußten, um etwas zu essen, warten, bis einer kam und für wenig Geld etwas von dem
noch vorhandenen Wein verzehrte, und wenn er eine Wurst oder dergleichen begehrte, so
hatten sie oft die größte Angst und Sorge, dieselbe beizutreiben. Bald hatten sie auch den
Wein nur noch in einer großen Flasche verborgen, die sie heimlich in einer anderen
Kneipe füllen ließen, und so sollten sie nun die Wirte machen ohne Wein und Brot und
freundlich sein, ohne ordentlich gegessen zu haben. Sie waren beinahe froh, wenn nur
niemand kam, und hockten so in ihrem Kneipchen, ohne leben noch sterben zu können.
Als die Frau diese traurigen Erfahrungen machte, zog sie den grünen Spenser wieder aus
und nahm abermals eine Veränderung vor, indem sie nun, wie früher die Fehler, so nun
einige weibliche Tugenden aufkommen ließ und mehr ausbildete, da Not an den Mann
ging. Sie übte Geduld und suchte den Alten aufrecht zu halten und den Jungen zum Guten
anzuweisen; sie opferte sich vielfältig in allerlei Dingen, kurz, sie übte in ihrer Weise eine
Art von wohltätigem Einfluß, der zwar nicht weit reichte und nicht viel besserte, aber
immerhin besser war als gar nichts oder als das Gegenteil und die Zeit w enigstens
verbringen half, welche sonst viel früher hätte brechen müssen für diese Leute. Sie wußte
manchen Rat zu geben nunmehr in erbärmlichen Dingen, nach ihrem Verstande, und
wenn der Rat nichts zu taugen schien und fehlschlug, so ertrug sie willig den Grimm der
Männer, kurzum, sie tat jetzt alles, da sie alt war, was besser gedient hätte, wenn sie es
früher geübt.
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