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Rettungsanker den freundlichen und gewandten Wirt zu machen, während es ihm nichts
weniger als freundlich zumut ist. Als die Manzen vom Hofe zogen, sah man erst, wie arm
sie bereits waren; denn sie luden lauter alten und zerfallenen Hausrat auf, dem man es
ansah, daß seit vielen Jahren nichts erneuert und angeschafft worden war. Die Frau legte
aber nichtsdestominder ihren besten Staat an, als sie sich oben auf die Gerümpelfuhre
setzte, und machte ein Gesicht voller Hoffnungen, als künftige Stadtfrau schon mit
Verachtung auf die Dorfgenossen herabsehend, welche voll Mitleid hinter den Hecken
hervor dem bedenklichen Zuge zuschauten. Denn sie nahm sich vor, mit ihr er
Liebenswürdigkeit und Klugheit die ganze Stadt zu bezaubern, und was ihr versimpelter
Mann nicht machen könne, das wolle sie schon ausrichten, wenn sie nur erst einmal als
Frau Wirtin in einem stattlichen Gasthofe säße. Dieser Gasthof bestand aber in einer
trübseligen Winkelschenke in einem abgelegenen schmalen Gäßchen , auf der eben ein
anderer zugrunde gegangen war und welche die Seldwyler dem Manz verpachteten, da er
noch einige hundert Taler einzuziehen hatte. Sie verkauften ihm auch ein paar Fäßchen
angemachten Weines und das Wirtschaftsmobiliar, das aus einem Dutzend we ißen
geringen Flaschen, ebensoviel Gläsern und einigen tannenen Tischen un d Bänken
bestand, welche einst blutrot angestrichen gewesen und jetzt vielfält ig abgescheuert
waren. Vor dem Fenster knarrte ein eiserner Reifen in einem Haken und in dem Reifen
schenkte eine blecherne Hand Rotwein aus einem Schöppchen in ein Glas . Überdies hing
ein verdorrter Busch von Stechpalme über der Haustüre, was Manz alles mit in die Pacht
bekam. Um deswillen war er nicht so wohlgemut wie seine Frau, sondern trieb mit
schlimmer Ahnung und voll Ingrimm die mageren Pferde an, welche er vom neuen Bauern
geliehen. Das letzte schäbige Knechtchen, das er gehabt, hatte ihn sc hon seit einigen
Wochen verlassen. Als er solcherweise abfuhr, sah er wohl, wie Marti vol l Hohn und
Schadenfreude sich unfern der Straße zu schaffen machte, fluchte ihm und hielt
denselben für den alleinigen Urheber seines Unglückes. Sali aber, sobald das Fuhrwerk im
Gange war, beschleunigte seine Schritte, eilte voraus und ging allein auf Seitenwegen
nach der Stadt.
"Da wären wir!" sagte Manz, als die Fuhre vor dem Spelunkelein anhielt. Die Frau
erschrak darüber, denn das war in der Tat ein trauriger Gasthof. Die Leute traten eilfertig
unter die Fenster und vor die Häuser, um sich den neuen Bauernwirt an zusehen, und
machten mit ihrer Seldwyler Überlegenheit mitleidig spöttische Gesichter. Zornig und mit
nassen Augen kletterte die Manzin vom Wagen herunter und lief, ihre Zung e vorläufig
wetzend, in das Haus, um sich heute vornehm nicht wieder blicken zu lass en; denn sie
schämte sich des schlechten Gerätes und der verdorbenen Betten, we lche nun abgeladen
wurden. Sali schämte sich auch, aber er mußte helfen und machte mit seinem Vater einen
seltsamen Verlag in dem Gäßchen, auf welchem alsbald die Kinder der Falliten
herumsprangen und sich über das verlumpete Bauernpack lustig machten. Im Hause aber
sah es noch trübseliger aus und es glich einer vollkommenen Räuberhöhle. Die Wände
waren schlecht geweißtes feuchtes Mauerwerk, außer der dunklen unfreundlichen
Gaststube mit ihren ehemals blutroten Tischen waren nur noch ein paar schlechte
Kämmerchen da, und überall hatte der ausgezogene Vorgänger den trostlosesten
Schmutz und Kehricht zurückgelassen.
So war der Anfang und so ging es auch fort. Während der ersten Woche kamen,
besonders am Abend, wohl hin und wieder ein Tisch voll Leute aus Neugierde, den
Bauernwirt zu sehen und ob es da vielleicht einigen Spaß absetzte. Am Wirt hatten sie
nicht viel zu betrachten, denn Manz war ungelenk, starr, unfreundlich und melancholisch
und wußte sich gar nicht zu benehmen, wollte es auch nicht wissen. Er füllte langsam und
ungeschickt die Schöppchen, stellte sie mürrisch vor die Gäste und versuchte etwas zu
sagen, brachte aber nichts heraus. Desto eifriger warf sich nun seine Frau ins Geschirr
und hielt die Leute wirklich einige Tage zusammen, aber in einem ganz andern Sinne als
sie meinte. Die ziemlich dicke Frau hatte sich eine eigene Haustracht zusammengesetzt,
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